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Das Herz pumpt bis zu 10.000 Liter Blut am Tag durch den Körper eines Menschen.
Das Herz pumpt bis zu 10.000 Liter Blut am Tag durch den Körper eines Menschen.(Foto: imago/Science Photo Library)
Donnerstag, 10. August 2017

Grund für plötzlichen Tod: Herzstillstand kann durch Schlag entstehen

Der Tod der französischen Bloggerin Rebecca Burger erregt besondere Aufmerksamkeit. Warum die junge Frau sterben musste, steht nun fest. Ein Schlag gegen die Brust könnte auch gesunde Sportler das Leben kosten.

Immer wieder gibt es Meldungen über Sportler, die an einem plötzlichen Herztod sterben, obwohl sie jung und gesund waren. Besondere Aufmerksamkeit hat in den letzten Wochen der Tod der Bloggerin Rebecca Burger erregt. Teile eines druckluftbetriebenen Sahnespenders sind ihr mit großer Wucht auf den Brustkorb geknallt und haben eine Herzerschütterung ausgelöst.

Solch eine Herzerschütterung, in der Medizin auch als Commotio cordis bezeichnet, könnte in vielen bisher auch ungeklärten Fällen die Ursache für den plötzlichen Herztod sein. Dabei führt ein kurzer, harter Schlag zunächst zu Herzrhythmusstörungen, zum Kammerflimmern und später zum Herzstillstand. Verletzungen am Herzmuskel sind jedoch nicht feststellbar. Das macht auch die Diagnose einer Herzerschütterung so schwierig.

Elektrische Erregungsquelle

Ein Forscherteam wollte ganz genau wissen, wie eine mechanische Reizung molekular auf die Zellen im Herzgewebe wirkt. In den Laboren konnten die Forscher feststellen, dass durch den Schlag Eiweißmoleküle die Herzzellen verformt. Dadurch wird eine zusätzliche elektrische Erregungsquelle ausgelöst. Diese hat allerdings nur dann schwerwiegende Konsequenzen, wenn die Erregung dort entsteht, wo kurz zuvor eine normale Erregungswelle über das Herz gelaufen ist. "Zeit, Ort und Stärke des Schlages müssen genau zusammenpassen, damit eine lebensgefährliche Herzerschütterung entsteht", erklärt Professor Peter Kohl, Direktor des Instituts für Experimentelle Kardiovaskuläre Medizin am Universitäts-Herzzentrums Freiburg-Bad Krozingen.

Die durch einen Schlag entstandene neue Welle muss also nicht nur passgenau eine bestimmte Ausbreitungsrichtung haben, sondern auch im richtigen Augenblick erfolgen. Bisher bekannt war bereits, dass eine zusätzliche Erregung nur in einem Zeitfenster von 20 Millisekunden pro Herzschlag Auswirkungen hat.

Wellen wie am Strand

"Für die normale Herzfunktion müssen diese Wellen, wie Wasser am Strand, gleichmäßig ein- und auslaufen. Eine Störung der Dynamik kann zu Verwirbelungen führen, die eine koordinierte Pumpfunktion unmöglich machen", erklärt Professor Alexander Quinn von der Dalhousie University in den USA. Je kleiner und härter der Kontakt mit dem Gegenstand am Brustkorb ist, umso höher ist das Risiko, eine Herzerschütterung mit Todesfolge zu erleiden.

In einem solchen Fall sollte, wie bei jedem anderen Herzstillstand, sofort erste Hilfe in Form von Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung erfolgen. Ist ein Defibrillator in der Nähe vorhanden, sollte dieser unbedingt eingesetzt werden. Damit sind die Chancen hoch, dass das Kammerflimmern beendet werden und ein Herzschlag zurückkehren kann. Zudem bieten die Erkenntnisse neue Ansätze zur individuellen Risikoabschätzung bei der Ausübung von Sportarten wie Eishockey, Baseball oder Karate und zur Handhabung von druckluftbetriebenen Gerätschaften.

Die Forscher veröffentlichten ihre Studienergebnisse im Fachjournal "Circulation Arrhythmia and Electrophysiology".

Quelle: n-tv.de

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