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Restaurator Georg Ott am Tangentenflügel in Sulzbach-Rosenberg.
Restaurator Georg Ott am Tangentenflügel in Sulzbach-Rosenberg.(Foto: dpa)

Historischer Flügel entdeckt: Klang wie zu Mozarts Zeiten

Es ist eine musikalische Zeitreise: In der Oberpfalz ist ein historisches Tasteninstrument entdeckt worden, das den Klang der Mozart-Zeit wieder lebendig werden lässt.

Der Tangentenflügel aus dem Jahr 1790 wurde hier der Öffentlichkeit vorgestellt.
Der Tangentenflügel aus dem Jahr 1790 wurde hier der Öffentlichkeit vorgestellt.(Foto: dpa)

So könnte es also geklungen haben, als Wolfgang Amadeus Mozart am Instrument saß und spielte, komponierte oder improvisierte. Ein in der Oberpfalz in einem ehemaligen Druckereigebäude gefundener Tangentenflügel aus dem Jahr 1790 vermittelt ein authentisches Klangbild der Musik am Ende des 18. Jahrhunderts. Mindestens 150 Jahre lagerte er unberührt auf einem Dachboden. "Wir können in diese Klangwelt eintauchen. So eine Möglichkeit steht uns sonst fast nirgends zur Verfügung", sagt Christoph Hammer, derzeit Professor in Texas und Experte für historische Tasteninstrumente.

Ein solches Instrument führe auch ganz nah heran an die Komponisten dieser Zeit - schließlich hätten sie an so einem Instrument ihre Werke entwickelt. Das Instrument stammt aus dem Haus der Regensburger Instrumentenbauer Franz Jakob Spath und Christoph Friedrich Schmahl. Auch Mozart war hier Kunde.

Ein Tangentenflügel sei früher ein weit verbreitetes Instrument gewesen, sagt Restaurator Georg Ott. Inzwischen existieren weltweit nur noch etwa 20 Exemplare. Aber auch hier rage das Sulzbach-Rosenberger Instrument heraus - denn andere Instrumente seien in späteren Jahren von Klavierbauern überformt und somit modernisiert worden. Der Flügel aus dem Hause der einstigen Druckerei J.E. von Seidel aber lagerte auf dem Dachboden. Und ist auch heute noch genauso spielbar wie im Jahr 1790. Nur die Saiten sind ausgetauscht worden. Die einstige Druckerei J.E. von Seidel wurde bereits 2008 überregional bekannt, als im Archiv eine bislang unbekannte Bildergeschichte von Wilhelm Busch gefunden wurde.

"Das feine, intime Musizieren"

Stadtheimatpfleger Markus Lommer geht davon aus, dass der Druckereibetreiber J.E. von Seidel den Flügel seiner Frau geschenkt hatte. Auszüge aus Rechnungsbüchern deuteten darauf hin. Wissenschaftler Hammer sagt, ein derartiges Instrument sei nicht mit Konzertflügeln heutiger Prägung vergleichbar. Ziel sei nicht der perfekte Klang gewesen, "es ging um das feine, intime Musizieren".

Und ein Tangentenflügel ist ein sehr variables Instrument, wie Ott und Hammer vorführen: Anders als bei einem Klavier schlagen keine Hämmerchen, sondern Holzstäbchen gegen die Saiten. Der Ton, der entstehe, habe etwas "berührend Schönes", sagt Ott, er gleiche dem Klang einer Harfe oder einer Gitarre. Per Handzug oder Kniehebel können Tuche, Leder oder Fransenleisten vor die Seiten gespannt werden, das Klangspektrum lässt sich so variieren.

Die Eigentümerfamilie des Hauses und somit auch des Instruments habe nach der Entdeckung des Tangentenflügels in Georg Ott einen kundigen Restaurator gefunden, erläutert Michael König aus Frankfurt am Main als Vertreter der Eigentümer. Die Kosten der Restaurierung will er nicht beziffern. Es sei aber kein öffentliches Geld geflossen, sondern alles privat finanziert worden. Das Instrument wird künftig im nordbayerischen Miltenberg im "Claviersalon" aufbewahrt, soll aber bei Konzerten immer wieder auch in Sulzberg-Rosenberg erklingen.

Quelle: n-tv.de

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