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Computergrafik von Doppel-Asteroid 288P im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.
Computergrafik von Doppel-Asteroid 288P im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.(Foto: Foto: ESA/Hubble, L. Calçada/dpa)
Montag, 25. September 2017

Schwanz aus Gas und Staub: Hubble entdeckt kuriosen Doppel-Asteroiden

Zwischen den Planeten Mars und Jupiter entdecken Forscher einen speziellen Himmelskörper: einen Doppel-Asteroiden. Er zieht wie ein Komet einen Schweif hinter sich her.

Komet oder Asteroid? Mit dem "Hubble"-Weltraumteleskop haben Astronomen ein ungewöhnliches Himmelsobjekt im Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter erspäht: einen Doppel-Asteroiden, der auch noch Staub und Gas ins All speit. Die Forscher um Jessica Agarwal vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung stellen ihren kuriosen Fund im Fachblatt "Nature" vor.

Diese Reihenaufnahmen von Hubble zeigen, dass der Doppelasteroid 288P aus zwei Teilen besteht, die umeinander kreisen und kometenähnliche Merkmale aufweisen. Dazu gehören die Koma - eine dünne Gashülle - und der Staubschweif.
Diese Reihenaufnahmen von Hubble zeigen, dass der Doppelasteroid 288P aus zwei Teilen besteht, die umeinander kreisen und kometenähnliche Merkmale aufweisen. Dazu gehören die Koma - eine dünne Gashülle - und der Staubschweif.(Foto: NASA, ESA, and J. Agarwal/dpa)

Der Doppel-Asteroid mit der Katalognummer 288P besteht demnach aus zwei jeweils nur rund einen Kilometer kleinen Brocken, die sich in einem ungewöhnlich großen Abstand von rund 100 Kilometern umkreisen. Die Forscher glauben, dass der Asteroid durch die Fliehkraft seiner eigenen Rotation in zwei Stücke zerbrochen ist und dadurch gefrorene Gase in seinem Inneren freigelegt wurden, die nun verdampfen. "288P muss vor kaum mehr als 5000 Jahren auseinandergebrochen sein", erläutert Agarwal in einer Mitteilung ihres Instituts. Sonst hätten sich die Gase im vergleichsweise sonnennahen Asteroiden-Hauptgürtel längst vollständig verflüchtigt.

Erster Doppel-Asteroid in dieser Gruppe

Asteroiden, Kometen und Meteoroiden

Millionen von Asteroiden und Kometen rasen durch das Sonnensystem. Unterschieden werden sie vor allem anhand ihrer Zusammensetzung - ganz klar definiert ist der Unterschied allerdings nicht.

ASTEROIDEN sind die kleineren Geschwister der Planeten, sie bestehen aus Gestein und Metallen. Weil sie klein und leicht sind, bleibt ihre Bahn um die Sonne nicht unbedingt konstant, sondern kann sich durch die Gravitationskräfte anderer Körper verändern. KOMETEN sind Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems und bestehen aus Gestein sowie flüchtigen Stoffen wie Wasser und Gasen. Die "schmutzigen Schneebälle" entwickeln darum in Sonnennähe typischweise einen oft Millionen Kilometer langen Schweif. Für sehr kleine Objekte mit weniger als einigen Dutzend Metern Durchmesser wurde die Bezeichnung METEOROIDEN eingeführt. Verglühen sie beim Eintritt in die Erdatmosphäre nicht komplett, sondern erreichen noch den Boden, werden sie METEORITEN genannt. Jeden Tag gelangen etliche Tonnen kosmischen Materials auf die Erde - allerdings zum größten Teil als Staub.

Kometen kreisen üblicherweise auf stark elliptischen Bahnen, die sie nur selten in die Nähe der Sonne führen, wo dann gefrorene Gase auf oder unter ihrer Oberfläche auftauen und den spektakulären Schweif produzieren. Asteroiden sind dagegen beständigere Objekte, die normalerweise nicht verdampfen und vor allem im Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter in deutlich kreisförmigeren Bahnen die Sonne umrunden. 288P ist nicht der erste Asteroid, der sich nicht in dieses Schema fügt und Eigenschaften eines Kometen besitzt. Auf etwa 20 solche sogenannten Hauptgürtelkometen sind Astronomen bereits gestoßen. Es ist jedoch der erste Doppel-Asteroid in dieser Gruppe.

"Bereits im Jahr 2011 wurden wir auf 288P aufmerksam", berichtet Agarwal. Erst 2016 war der Abstand zu dem Himmelskörper mit rund 200 Millionen Kilometer dann jedoch klein genug, um ihn mit "Hubble" untersuchen zu können. Dabei zeigte sich nicht nur, dass 288P aus zwei Bruchstücken besteht, die Forscher registrierten auch deutliche Hinweise auf verdampfendes Wassereis, und auf den Bildern des Weltraumteleskops ist ein kometenähnlicher Schweif zu sehen, wie das europäische "Hubble"-Informationszentrum in Garching bei München mitteilt.

Wohl erst nach und nach auseinandergedriftet

Die Wissenschaftler nehmen an, dass die beiden Bruchstücke des Asteroiden erst nach und nach auseinandergedriftet sind. "Die Aktivität von 288P spielte bei seiner folgenden Entwicklung wahrscheinlich eine entscheidende Rolle", erläutert Agarwal. Das verdampfende Gas riss demnach Staub mit und veränderte den sogenannten Bahndrehimpuls des Doppelsystems, was die beiden Bruchstücke immer weiter auseinandertrieb bis zu dem heute ungewöhnlich großen Abstand.

Die Untersuchung von Hauptgürtelkometen wie 288P bietet wertvolle Einblicke in die Entstehung und Entwicklung des gesamten Sonnensystems, wie das "Hubble"-Zentrum betont. Unter anderem hoffen die Wissenschaftler auf neue Indizien dafür, wie Wasser auf die Erde kam. Da bislang nur sehr wenige Hauptgürtelkometen gefunden wurden, sei der Doppelasteroid ein besonders wertvolles Forschungsobjekt.

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Quelle: n-tv.de

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