TierhaarallergieImmer mehr Betroffene
Wenn das geliebte Haustier juckende Augen, Niesattacken und Atembeschwerden verursacht, handelt es sich zumeist um eine Tierhaarallergie. Die Tierbesitzer sind dann in einer Zwickmühle.
Spaziergänge mit dem Hund und ausgiebiges Kuscheln mit der Katze? Für viele Menschen gehören Haustiere zum Alltag dazu. Diese Freude kann aber schnell getrübt werden, wenn eines der Familienmitglieder eine Tierallergie entwickelt und das geliebte Meerschweinchen oder der Kater plötzlich Niesattacken, Atembeschwerden und tränende Augen verursacht.
In Deutschland sind etwa zehn Prozent der Menschen gegen Haustiere allergisch. "Aus medizinischer Sicht ist es in so einem Fall oft am besten, das Tier abzuschaffen", sagt Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie-und Asthmabund in Mönchengladbach. Auch wenn die Entscheidung schwer falle, müsse der Halter abwägen, wie stark die Beschwerden bereits sind. Unbehandelt jedenfalls kann auch die Tierallergie zu chronischem Asthma führen.
Auch wenn das Tier weggegeben wird, ist die Gefahr nicht gebannt. "Gerade Katzenallergene sind sehr schwebfähig", sagt die Expertin. Sie bleiben noch lange in der Wohnung. Deswegen müssen, nachdem das Haustier abgegeben wurde, das Bettzeug gewaschen, der Teppich mehrfach gesaugt und in einigen Fällen auch Luftreiniger aufgestellt werden. Sollten die Beschwerden dennoch anhalten, rät Schwalfenberg zu einer so genannten Hyposensibilisierung, bei der dem Patienten das Allergen gespritzt wird, um den Körper an den Stoff zu gewöhnen.
Während man früher annahm, dass Tierhaare die Allergien auslösen, weiß man heute, dass das Fell die Allergene nur transportiert. Tatsächlich kommen die Allergene im Speichel, Urin, Kot und in den Hautschuppen der Tiere vor. Dabei ist die Belastung durch Speichel oft besonders hoch, vor allem, wenn sich die Tiere ihr Fell ablecken und die Allergene über den ganzen Körper verteilen. Beim Streicheln übertragen sich diese Stoffe dann auf Hände oder Kleidung der Halter.
Dennoch können sich Allergiker oft nur schwer von ihren Haustieren trennen. Viele entscheiden sich daher, ihren Hund oder ihre Katze trotz der Beschwerden zu behalten. "Wer aber mit seinem Haustier, gegen das er oder sie allergisch ist, weiterhin leben will, muss versuchen, den Kontakt mit den Allergenen zu vermindern", sagt die Allergologin Kirsten Jung aus Erfurt.
Deswegen empfiehlt die Medizinerin mehrere Maßnahmen: "Das Tier sollte, wenn möglich, im Freien gehalten werden -beispielsweise das Kaninchen in einem Stall." Sollte das nicht möglich sein, muss das Tier wenigstens vom Schlafzimmer ferngehalten werden. "Auch regelmäßiges Staubsaugen, häufiges und lang anhaltendes Lüften kann den Allergengehalt im häuslichen Bereich reduzieren", weiß Jung, die Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen ist.
Außerdem sollten Katzen, sofern sie es sich gefallen lassen, einmal pro Woche gewaschen werden. Das könne die Allergenkonzentration ebenfalls effektiv senken, sagt Jung. Trotz dieser Maßnahmen kann es jedoch vorkommen, dass die Tierallergiker die gesundheitlichen Beschwerden nicht mehr aushalten.
Dann werden der Hund oder die Katze meist in ein Tierheim abgegeben. "Da die Anzahl der Allergiker in Deutschland immer weiter steigt, landen auch bei uns immer mehr Tiere aus betroffenen Haushalten", sagt Evamarie König vom Berliner Tierheim. Pro Jahr werden hier etwa 12 000 Tiere aufgenommen? viele davon stammen von Tierallergikern. "Das Problem nimmt eindeutig zu", sagt König. Deswegen sind sich die Experten einig: Bevor man einen Hund oder ein Kaninchen in die Wohnung holt, sollte jeder sein Risiko, an einer Tierallergie zu erkranken, gut abwägen.
(Aliki Nassoufis, dpa)