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Die Schweinegrippe ließ die meisten Deutschen kalt. Die Bundesländer blieben auf Millionen Dosen des Impfstoffs sitzen.
Die Schweinegrippe ließ die meisten Deutschen kalt. Die Bundesländer blieben auf Millionen Dosen des Impfstoffs sitzen.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 13. September 2010

Schützt auch vor Schweinegrippe: Influenza-Impfung empfohlen

Wer sich in diesem Herbst gegen die normale Grippe impfen lässt, beugt gleichzeitig gegen Schweinegrippe vor. Erstmals sind auch Schwangere zu dieser Schutzmaßnahme aufgerufen.

Vor Beginn der neuen Grippesaison haben Experten vor allem älteren und chronisch kranken Menschen sowie erstmals auch Schwangeren zur Schutzimpfung geraten. Der Impfstoff schützt nicht nur gegen Erreger der normalen Influenza, sondern auch gegen die Schweinegrippe, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin mitteilt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehe davon aus, dass das Schweinegrippe-Virus A/H1N1 auch im kommenden Herbst und Winter wieder in Deutschland auftritt. Eine zusätzliche Impfung mit einem speziellen Schweinegrippe-Impfstoff so wie im vergangenen Winter wird nicht mehr empfohlen.

"Davon träumen wir nur"

Die Monate Oktober und November gelten als optimaler Zeitpunkt für die Grippeschutzimpfung. Das Immunsystem braucht etwa zehn Tage bis zwei Wochen, um einen vollständigen Impfschutz aufzubauen. "Wer geimpft ist, schützt nicht nur sich selbst vor einer schweren Influenza-Erkrankung, sondern vermeidet auch eine Ansteckung anderer", betont RKI-Präsident Reinhard Burger. Die Grippe-Impfquote von 10 bis 15 Prozent aus der vergangenen Saison hält das Berliner Robert Koch-Institut für unzureichend. Die skandinavischen Länder schafften 50 bis 60 Prozent, sagt Burger. "Davon träumen wir nur".

Erstmals wird die Grippe-Schutzimpfung Schwangeren empfohlen, weil sie nach Angaben der Experten ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben. Neben dieser Risikogruppe wird die Impfung außerdem Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem oder Grundleiden wie Herzkreislaufkrankheiten, Diabetes oder chronischen Lungenerkrankungen sowie älteren Menschen über 60 Jahre empfohlen.

Impflücken bei medizinischem Personal

Auch das Personal in Krankenhäusern, Arztpraxen und in der Altenpflege sollte sich impfen lassen, damit die betreuten Patienten nicht mit Influenza angesteckt werden. Die Impfquote bei medizinischem Personal sei mit rund 20 Prozent immer noch viel zu gering, kritisiert Birte Kirschbaum von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Um die Durchimpfungsraten bei den Risikogruppen zu erhöhen, erhalten alle 65.000 niedergelassenen Ärzte neue Informationsmaterialien.

Nach Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza am RKI gab es in der vergangenen Grippesaison 2009/2010 rund 2,9 Millionen zusätzliche Arztbesuche sowie 5300 influenzabedingte Einweisungen in Kliniken. In rund 1,5 Millionen Fällen wurde Menschen wegen Grippe arbeitsunfähig geschrieben. Dies entspreche einer mittelstarken Grippewelle. Die Schweinegrippe, die so genannte pandemische Influenza, wurde demnach auch noch viele Wochen nach Abklingen der Grippewelle registriert - vorerst letztmalig Ende März.

Tote auch bei moderaten Grippewellen

Zur Gesamtzahl der Todesfälle lagen noch keine Daten vor. In Deutschland starben aber allein mehr als 250 Menschen durch die Schweinegrippe. Das RKI verwies darauf, dass es aber auch bei moderaten Grippewellen zu Todesfällen kommt.

Für diesen Winter hat das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bislang die Freigabe von 20,5 Millionen Impfdosen erteilt. Der Impfstoff, der jährlich neu von der WHO empfohlen wird, schütze gegen die drei häufigsten Erregertypen und zugleich gegen die Schweinegrippe, erklärt PEI-Präsident Klaus Cichutek. Die Grippe sei unberechenbar und nach wie vor eine unterschätzte Infektionskrankheit, so Cichutek. Mit dem relativ milden Verlauf der Schweinegrippe-Pandemie habe Deutschland im vergangenen Jahr "Glück gehabt".

Quelle: n-tv.de

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