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Man muss sich nur zu helfen wissen: Käfernamen aus dem Telefonbuch

Was macht ein deutscher Forscher, wenn er fern der Heimat auf einmal hunderte neuer Käferarten entdeckt und ihnen Namen geben muss? Er greift zum Telefonbuch.

Der Käfer Trigonopterus moreaorum, dessen Bezeichnung auf dem Familiennamen "Morea" beruht.
Der Käfer Trigonopterus moreaorum, dessen Bezeichnung auf dem Familiennamen "Morea" beruht.(Foto: dpa)

Das örtliche Telefonbuch als Namensgeber für neuentdeckte Käferarten: Diese ungewöhnliche Methode haben zwei deutsche Wissenschaftler in Papua-Neuguinea angewendet. Wie die Zoologische Staatssammlung München (ZSM) mitteilte, entdeckten die Insektenforscher in dem nahe Australien gelegenen Inselstaat hunderte von Rüsselkäfer-Arten. Um zumindest einen Teil dieser Arten per Benennung und Beschreibung so schnell wie möglich bekannt zu machen, griffen sie zum Telefonbuch.

So heißt nun etwa einer der 101 frisch getauften Käfer "Trigonopterus moreaorum" - nach dem Familiennamen Morea, der in Papua-Neuguinea ähnlich verbreitet ist wie hierzulande Müller, Meier oder Schmidt. Etliche der Namensspender ahnten vermutlich nichts von der Ehre, "eine Käfer-Art mit dem eigenen Namen im Vorgarten" zu haben, konstatierte die ZSM.

"Massentaufe" per Telefonbuch

Üblicherweise dürfen die Entdecker einer neuen Art ihren Namen in lateinischer Form an den Gattungsnamen - in diesem Fall Trigonopterus - anhängen. Doch die Insektenforscher Michael Balke und Alexander Riedel hatten laut ZSM mit Hilfe neuartiger DNA-Tests die Riesenfülle neuer Käferarten derart rasch entdeckt, dass sie für die "Massentaufe" ins Telefonbuch schauten. "Außerdem haben wir hochauflösende Aufnahmen von jedem Käfer gemacht und diese zusammen mit kurzen Beschreibungen auf einer Wiki-Seite hinterlegt", erläuterte Alexander Riedel vom Naturkundemuseum Karlsruhe.

Besondere Eile ist bei der Beschreibung der neuen Arten in Papua-Neuguinea nach Angaben der Zoologischen Staatssammlung geboten, weil die Lebensräume der Käfer in dem Inselstaat durch die Ausbreitung von Ölpalmen-Plantagen "mit atemberaubendem Tempo verschwinden". Die neu entdeckten Arten seien nun weitere gute Argumente "im Kampf um jeden Hektar Regenwald". Sie vermuten dort noch Hunderte Insektenarten, die auf Entdeckung warten.

Quelle: n-tv.de

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