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Mehr Staphylokokken nachgewiesen: Kaiserschnitt-Babys belasteter

In und an jedem Menschen sind abertausende Bakterien zu finden. Schon Neugeborene sind mit verschiedenen Keimen ausgestattet. Babys, die mit einem Kaiserschnitt auf die Welt kommen, besitzen aber eine andere Bakterienzusammensetzung als spontan geborene.

Mehrlinge werden meistens mit Hilfe des Kaiserschnitts geboren.
Mehrlinge werden meistens mit Hilfe des Kaiserschnitts geboren.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Erstausstattung eines Neugeborenen mit Bakterien hängt auch davon ab, ob die Kinder natürlich oder per Kaiserschnitt zur Welt kommen. Womöglich spielt diese frühe Besiedlung der Kleinen mit den Keimen auch eine wichtige Rolle für ihr gesundes Aufwachsen. Das berichtet eine Gruppe um Maria Dominguez-Bello von der University of Puerto Rico in San Juan. Ihre Untersuchung ist in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften nachzulesen.

Jeder Mensch ist von einer gigantischen Vielzahl von Keimen besiedelt. Deren Zusammensetzung ändert sich selbst von Hautregion zu Hautregion. Eine wichtige Rolle spielen die Bakterien auch im Darm, wo sie bei der Aufspaltung der Nahrung helfen – und durch ihre bloße Anwesenheit das Wachstum gesundheitsschädlicher Bakterien behindern. Auch für die Entwicklung des Immunsystems ist die Bakteriengemeinschaft des Menschen von Bedeutung.

Aus Mund, von der Haut und aus dem Darm

Manche Kinder sind einfach zu groß, um auf normalem Weg geboren zu werden.
Manche Kinder sind einfach zu groß, um auf normalem Weg geboren zu werden.(Foto: picture alliance / dpa)

In die Untersuchung wurden neun Frauen im Alter von 21 bis 33 Jahren einbezogen, die insgesamt zehn Kinder bekommen hatten – natürlich oder per Kaiserschnitt. Binnen 24 Stunden wurden Bakterienproben genommen, aus Mund und Rachen, von der Haut und aus dem Darm. Schnelle Automaten sequenzierten die Keime – aus diesen Daten ließ sich die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft ermitteln.

Kaiserschnitt-Kinder hatten mehr Bakterien aus der Gruppe der Staphylokokken – die meisten von denen sind harmlos, einige davon können aber auch schwere Infektionen verursachen. "Die Unterschiede, die sich in dieser Studie zeigen, könnten mit dem erhöhten Infektionsrisiko von Kaiserschnitt-Babys zusammenhängen", erklärte Dominguez-Bello.

Resistente Keime machen krank

In diesem Zusammenhang sind besonders die resistenten Staphylococcus aureus-Keime (MRSA) zu nennen, die per Kaiserschnitt geholte Kinder häufiger treffen. Dazu zitiert Dominguez-Bello eine Untersuchung aus dem Jahr 2004. Dabei zeigte sich in Krankenhäusern in den USA, dass zwischen 64 und 82 Prozent der MRSA-Hautinfektionen Kinder aus Kaiserschnittgeburten trafen.

Normal geborene Kinder hatten Bakteriengemeinschaften, die jener aus der Vagina der Mutter ähnelten. Dazu zählten Keime, die mit der Milchverdauung, Zahnfleisch- oder Vaginalinfektionen in Verbindung stehen. Der Kaiserschnitt-Nachwuchs beherbergte vielfach und in großer Zahl Bakterien, die mit Lebensmittelvergiftung, Diphtherie oder Akne zu tun haben.

Die WHO, so ergänzt die Forschergruppe, empfehle für die Zahl von Kaiserschnitten in einem Land eine Obergrenze von maximal 15 Prozent. In China kämen hingegen rund die Hälfte, in den USA um die 30 Prozent der Kinder auf diese Weise auf die Welt.

Quelle: n-tv.de

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