Junge Rotwangen-Schmuckschildkröten sind sehr beliebt. Wenn sie größer werden, werden sie oft ausgesetzt.
(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)
Samstag, 31. Juli 2010
Fremder Feind US-Schildkröte: Kaulquappen lassen sich fressen
Die Vorliebe europäischer Schildkrötenfans wird zu einem ernsten Problem für spanische Kaulquappen. Die Froschlarven erkennen nur den Geruch der heimischen Europäischen Sumpfschildkröte.Machen Kaulquappen einen Feind aus, erstarren sie und erscheinen nicht mehr als attraktive Beute. Gegenüber der aus den USA eingeschleppten Schmuckschildkröte tun sie das nicht, weil sie ihren Geruch nicht erkennen – und damit endet der Froschnachwuchs öfters zwischen den scharfen Hornkiefern der fremden Räuber.
Die Art Trachemys scripta elegans aus den Sümpfen Floridas ist – frisch geschlüpft – überaus attraktiv. Grüner Panzer, gelbliche Zeichnung, knallrote Flecken am Kopf – die Tiere verkaufen sich gut und wachsen schnell zu beeindruckender Größe. Dabei verlieren sie die interessante Zeichnung und den Zusatz "niedlich". Das Ende: Die Tiere werden von ihren Besitzern häufig im nächsten Tümpel entsorgt.
Konkurrenz für die Europäer
Im heißen Spanien haben sie gute Aussichten aufs Überleben. Die Rotwangen-Schmuckschildkröten sind geschickte Jäger und fressen, was ihnen vor die Kiefer kommt. Damit machen sie auch der seltenen Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) Konkurrenz.
Ein Team um Nuria Polo-Cavia vom spanischen Naturkundemuseum in Madrid untersuchte nun, wie Kaulquappen – nicht allein in Spanien eine beliebte Schildkröten-Beute – auf die beiden verschiedenen Reptilien reagieren. Dazu experimentiere Polo-Cavia mit Larven spanischer Lurche, die noch nie in Wasser unterwegs waren, in dem die Schildkröten räubern.
Wie würden die Larven auf den Geruch der verschiedenen Reptilien reagieren? Dazu ließen die Forscher zuerst die Schmuckschildkröten eine Weile durch ein Becken schwimmen, nahmen das Wasser und platzierten die Kaulquappen vier spanischer Froscharten darin. Resultat: Die Larven schwammen weiter herum, erkannten die Gefahr nicht und wären eine leichte, gut zu erkennende Beute gewesen.
Anders als bei der Wiederholung des Tests mit "Sumpfschilkröten-Wasser". Drei der vier Arten reduzierten ihre Schwimmbewegungen, als sie die Duftstoffe des europäischen Räubers wahrnahmen. Im Journal "Animal Behaviour" beschreiben die spanischen Forscher, dass die Frösche bislang nicht genügend Zeit hatten, die neue Bedrohung aus den USA kennenzulernen. Anders ist das mit den europäischen Panzerträgern: Diese sind den Tieren schon lange als Räuber bekannt.
dpa
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