Wissen
Man sollte sich sofort um den Betroffenen kümmern.
Man sollte sich sofort um den Betroffenen kümmern.(Foto: dpa)
Dienstag, 18. Oktober 2016

Keine Angst vor klaren Worten: Was tun bei Suizidgefahr?

Ein Freund macht eigenartige Bemerkungen über Abschied; ein Verwandter zieht sich zurück: Wem das merkwürdig vorkommt, der sollte schnell handeln. Ängste, jemanden durch direktes Fragen danach auf Selbstmordgedanken zu bringen, sind unbegründet.

Wer den Eindruck hat, dass ein Freund oder Verwandter nicht mehr leben möchte, sollte ihn direkt darauf ansprechen. Dabei zählen klare Worte. Irgendwann in dem Gespräch sollte man fragen, ob jemand lieber tot wäre, raten Experten.

Prof. Barbara Schneider ist Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS).
Prof. Barbara Schneider ist Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS).(Foto: LVR-ZMB/Julia Reschucha/dpa)

Ist die Antwort ein "Ja", sei es wichtig, mit den Betroffenen möglichst rasch professionelle Hilfe zu suchen. Das sagt Professor Barbara Schneider, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS). Psychiatrische Kliniken sind etwa für solche Fälle rund um die Uhr offen.

Mitunter ist der Zeitraum zwischen der Entscheidung, sterben zu wollen, und dem Selbstmord sehr kurz. "Manchmal nur 24 Stunden", sagt Schneider. Deshalb müsse man sich sofort um den betroffenen Verwandten oder Freund kümmern. Das sei wie bei anderen lebensgefährlichen Situationen.

Was sind Hinweise auf Suizidgedanken?

Ängste, den Menschen durch direkte Ansprache auf Suizidgedanken zu bringen, sind unbegründet: "Es ist nicht so, dass man jemand damit erst auf die Idee bringt", sagt Schneider, die Chefärztin der Abteilung Abhängigkeitserkrankungen der LVR-Klinik Köln ist.

Was sind Hinweise auf Suizidgedanken? Dafür gibt es zum einen direkte Anzeichen, etwa die Aussage "Ich bringe mich um". Auch wenn jemand Schlaftabletten sammelt, ist das ein klares Alarmsignal. Zum anderen gibt es auch subtile Hinweise, zum Beispiel, wenn ein Freund sich verabschiedet und bedankt, obwohl er keine Reise oder Ähnliches plant. Oder wenn ein Verwandter sich plötzlich stark zurückzieht.

Hilfe und Beratung finden Betroffene sowie Angehörige jederzeit bei der Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222. Die Seelsorge bietet unter ts-im-internet.de auch eine Beratung per E-Mail. Unter suizidprophylaxe.de bietet die DGS Informationen, zum Beispiel zum Suizidrisiko, und Links zu Hilfsangeboten.

Rat und Nothilfe
  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (Tel.: 0800/111-0-111) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333; wochentags von 14 bis 20 Uhr)
  • Auf den Seiten der Deutschen Depressionshilfe sind Listen mit regionalen Krisendiensten und mit Kliniken zu finden. Zudem gibt es viele Tipps für Betroffene und Angehörige.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen