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Auch die Südliche Hausmücke (Culex quinquefasciatus) ist auf Borrelien untersucht worden.
Auch die Südliche Hausmücke (Culex quinquefasciatus) ist auf Borrelien untersucht worden.(Foto: Senckenberg)

Gefährliche Krankheit: Können Mücken Borrelien übertragen?

Bekannt ist, dass ein Zeckenstich zu schweren Erkrankungen wie Borreliose führen kann. Unbekannt ist, welche Insekten außerdem als Überträger infrage kommen. Forscher nehmen deshalb Mücken ganz genau unter die Lupe.

Jeder, der sich eine Zecke eingefangen hat, ist besorgt. Spätestens wenn sich um die Stichstelle eine kreisrunde Verfärbung zeigt, sollte man zum Arzt gehen. Dann nämlich könnte man durch die Zecke mit Borrelien infiziert worden sein. Dass die Erreger der gefürchteten Krankheit auch in Bremsen, Flöhen und Kriebelmücken nachgewiesen werden konnten, brachte Wissenschaftler um Professor Sven Klimpel vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und der Goethe Universität Frankfurt auf die Idee, auch Mücken auf Borrelien zu testen.

Borreliose

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste, vektorübertragene Krankheit, die schwere Schäden verursachen kann. Die Ansteckungszeit ist in der Zeckensaison von März bis Oktober am größten Zecken. Im Durchschnitt trägt jede fünfte Zecke Borrelien in sich.

Gegen Lyme-Borreliose gibt es keine Impfung. Als ein erstes Symptom gilt die sogenannte Wanderröte, die sich ringförmig um den Zellenstich bildet. Im weiteren Verlauf kann es zu Nervenschmerzen, Lähmungen, Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten, aber auch Rückenmark kommen. Zudem können Gelenkbeschwerden oder Hautveränderungen auftreten.

Eine Borrelien-Infektion wird mit Antibiotika behandelt. Die Behandlung sollte so früh wie möglich begangen werden.  

Für ihre Untersuchung fingen die Forscher insgesamt 3615 Stechmücken an 42 verschiedenen Standorten über einen Zeitraum von April bis Oktober 2013 ein. Aus den Tieren wurden anschließend sogenannte Pools gebildet und diese auf Borrelien getestet. Das Ergebnis: In 28 Pools waren die Krankheitserreger nachweisbar. Das bedeutet, dass zehn verschiedene Stechmückenarten aus vier Gattungen an elf Standorten Borrelien in sich trugen.

Zudem bestimmten die Forscher die gefundenen Erreger-Gene genau und konnten drei verschiedene Arten von Borreliose-Erregern feststellen. Borrelia afzelii, Borrelia bavariensis und Borrelia garinii sind humanpathogen (beim Menschen potenziell krankheitserregend) und gelten in Deutschland sowie Europa als die bedeutendsten Erreger der Lyme-Borreliose. 

Borrelien schon in den Larven

Diese Erkenntnis reichte den Forschern allerdings nicht aus. Sie untersuchten zudem die wild gefangenen und unter Laborbedingungen aufgezogenen Stechmücken auf Borrelien und wurden fündig. "Dass wir die DNA der Erreger auch in den aufgezogenen Mücken gefunden haben, ist erstaunlich und zeigt, dass die Borrelien die Umwandlung der Larve zur Puppe und schließlich zum ausgewachsenen Tier überdauern können", erläutert Klimpel.

Resümierend lässt sich feststellen, dass bei den untersuchten Stechmücken die Befallshäufigkeiten mit Borrelien-Erregern zwischen 0,13 und 8,33 Prozent liegen. Bei der Rheinschnake (Aedes vexans) lag sie bei 0,3 Prozent, bei der häufigen Stechmückenart Aedes cataphylla wurde eine Wert von 11,1 Prozent ermittelt. Aus diesem Grund bestehe auch kein Grund zur Panik, so Klimpel. "Nach unserem derzeitigen Erkenntnisstand sind Stechmücken als Überträger der Lyme-Borreliose auslösenden Erreger nur bedingt geeignet. Wenn überhaupt spielen sie eine eher untergeordnete Rolle", beruhigt der Parasitologe.

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Quelle: n-tv.de

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