Donnerstag, 05. März 2009
Gute Nachricht für Allergiker: Krebsrisiko sinkt nachweisbar
Allergien verursachen nicht nur lästige und mitunter gefährliche Beschwerden, sie bieten möglicherweise Schutz vor Krebserkrankungen, teilt der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) auf seiner Internetseite mit. Menschen mit Allergien haben einer neuen Studie zufolge häufig ein niedrigeres Erkrankungsrisiko für bestimmte Krebsarten (Quart Rev Biol 2008). Demnach entstehen Tumore bei Allergikern seltener in Organen, die mit der Außenwelt in Kontakt stehen, also z.B. dem Verdauungstrakt oder der Haut.
Für die Betroffenen sind Allergien äußerst unangenehm, in manchen Fällen sogar lebensbedrohlich. Bislang wurden sie vor allem als krankhafte Überreaktionen des Immunsystems angesehen. Offenbar zu Unrecht: "Eine Reihe von Untersuchungen der letzten Jahre hat gezeigt, dass manche Krebstypen bei Menschen mit Allergien seltener vorkommen als bei Nicht-Allergikern. Dies scheint vor allem Krebserkrankungen zu betreffen, die in der Mundhöhle, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Gebärmutter, Haut, im Darm oder Gehirn auftreten", sagt Prof. Reiner Hartenstein vom BDI.
Auf die Entstehung von Krebs in von der Außenwelt weitgehend isolierten Geweben wie Brust, Hirnhäute, Prostata oder Lymphgewebe hätten Allergien dagegen kaum einen Effekt. Zudem beeinflussen nicht alle Allergien die Krebsentstehung gleichermaßen: Hautekzeme, Heuschnupfen, Insektenstich-, Lebensmittel- und Tierallergien verringern das Risiko für Krebs offenbar am stärksten.
Immunsystem bekämpft Krebszellen
Experten vermuten, dass die Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Stoffe aus der Umwelt einen Schutzmechanismus vor eindringenden krebsauslösenden Schadstoffen ist: Manche Allergie-auslösende Substanzen können selbst krebserregend sein oder solche Stoffe binden. So können an sich harmlose Pollenkörner mit krebserregenden Substanzen wie Schwermetallen, Phenolen oder Pestiziden belastet sein.
Das Immunsystem fördert möglicherweise die Ausscheidung der gefährlichen Stoffe, bevor sie das Erbgut schädigen können, und schützt so vor Krebs. "Darüber hinaus ist schon länger bekannt, dass die Immunabwehr eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Krebs spielt, da sie entartete Zellen in vielen Fällen erkennt und diese zerstört", erklärt Prof. Hartenstein. Sie könne so die Neubildung von Tumoren unterbinden und ihr Wachstum verhindern oder verlangsamen.
Wie wichtig eine Ausscheidung von gefährlichen Substanzen sein könnte, zeigt auch das unterschiedliche Lungenkrebsrisiko von Asthmatikern und anderen Allergikern: Asthmatiker erkranken häufiger an Lungenkrebs in diesem Fall verhindert die Immunreaktion den Abtransport von potenziell schädlichen Substanzen, indem es zu einer übermäßigen Produktion von Schleim in den Atemwegen führt und diese so blockiert. Dagegen senken. Allergien das Lungenkrebsrisiko, die das Eindringen von Schadstoffen erschweren, z. B. eine Pollenallergie. Diese mögliche Schutzfunktion von Allergien ist überraschend, denn bislang wurden die chronischen Entzündungsprozesse, wie sie Allergien hervorrufen können, vielfach mit einem höheren Krebsrisiko in Verbindung gebracht.
Neubewertung von Allergien
Der neue Befund könnte nach Meinung von Experten nun aber zu einer Neubewertung von allergischen Reaktionen und ihrer Behandlung führen. "Wenn weitere Studien einen Krebsschutz durch Allergien bestätigen, müsste untersucht werden, ob und wie sich eine Allergie-Behandlung mit immununterdrückenden oder entzündungshemmenden Substanzen auf das Krebsrisiko auswirkt. Bislang gibt es jedoch noch keinen Hinweis darauf, dass eine Allergie-Behandlung die Gefahr einer Krebserkrankung erhöht", beruhigt der Krebsmediziner aus München.
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