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(Foto: imago/Ralph Lueger)

Pille beeinflusst Stoffwechsel: Männer haben andere Blutfettwerte

Zu viel Fett im Blut ist gefährlich, denn es kann zu Gefäßerkrankungen führen. Forscher wollen klären, welche Werte gesund sind. Bei der Untersuchung kommt es zu Überraschungen, bei der die Pille eine Rolle spielt.

Wenn die Blutfette bestimmt werden sollen, wird bisher im Labor häufig nur der Anteil an Cholesterin und Triglyceriden gemessen. Ob diese Faktoren wirklich ausreichen, um ein gesundes Blutfettmuster, ein sogenanntes Lipidom, zu definieren, wollten Forscher der Technischen Universität Dresden in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden wissen.

Für die Untersuchung wurden die Blutfette von jungen, gesunden Frauen und Männern erhoben. "Mittels moderner Analysemethoden wie der Massenspektrometrie lassen sich heute bereits schon mehr als 280 verschiedene Fettmoleküle im Blut bestimmen. Unklar ist allerdings noch, welche dieser Moleküle die wichtigen Informationen über Krankheitsentstehung und deren Verlauf liefern", erklärt Professor Jürgen Gräßler, Leiter des Bereiches für Pathologische Biochemie der Medizinischen Klinik 3 an der TU Dresden.

Dabei stellten die Forscher mit Überraschung fest, dass sich 112 der 281 gemessenen Blutfettmoleküle gravierend zwischen Frauen und Männern unterscheiden. Das Ergebnis muss in zukünftigen Untersuchungen des Blutfettmusters unbedingt berücksichtig werden. Die Forscher raten deshalb zu strikt separaten Analysen für Frauen und Männer.

Pille beeinflusst den Fettstoffwechsel

Doch damit nicht genug. Ein weiteres Ergebnis überraschte: "Nach einer gesonderten Auswertung der Blutfettprofile von Frauen, die orale Kontrazeptiva einnahmen, haben wir plötzlich gesehen, dass die bisher stoffwechselmäßig als harmlos angesehenen Präparate doch eine Auswirkung auf den Fettstoffwechsel haben. Es kam zu auffälligen Veränderungen, die auf eine Reizung der Leberzellen und einer damit einhergehenden allgemein erhöhten Entzündungsaktivität schließen lassen." Persönliche Berichte von Frauen, die nach Beginn der Einnahme von Kontrazeptiva über eine Zunahme des Körperfetts klagten, stützen diesen Befund. Der gravierende Effekt der oralen Kontrazeption, auch als Pille bekannt, auf das Blutfettmuster ist ein zentrales Einflussmoment, das bei künftigen Studien ebenfalls unbedingt Beachtung finden muss.

Und noch eine grundlegende Erkenntnis konnte gewonnen werden. Eine bestimmte Gruppe von Männern, rund 20 Prozent aller männlichen Probanden, zeigten ein Blutfettmuster, das sich, allerdings in wesentlich stärkerer Ausprägung, bei Patienten mit metabolischem Syndrom beobachten lässt. Bemerkenswert dabei ist besonders, dass diese Männer zu diesem Zeitpunkt einen normalen Body-Mass-Index und normale (klinisch-chemische) Blutfettwerte hatten. Die biochemische Signatur für das metabolische Syndrom ist demzufolge lange vor dessen klinischer Ausprägung vorhanden. Auch bei den Studienteilnehmerinnen war diese Konstellation erkennbar, allerdings deutlich seltener.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der "Nature - Scientific Report".

Quelle: n-tv.de

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