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Wie genau die Zusammenhänge zwischen Geburtsmonat und Krankheitsrisiko funktionieren, muss noch weiter untersucht werden.
Wie genau die Zusammenhänge zwischen Geburtsmonat und Krankheitsrisiko funktionieren, muss noch weiter untersucht werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Geburt beeinflusst Gesundheit: Mai-Kinder sind am gesündesten

Von Fabian Maysenhölder

Der Monat der Geburt hat Auswirkungen auf das Risiko, bestimmte Krankheiten zu bekommen. Eine Studie belegt: Menschen, die im Mai geboren sind, sind am gesündesten. Doch es gibt auch besonders risikoreiche Geburtsmonate.

Was sich auf den ersten Blick nach Astrologie anhört, ist alles andere als das: Der Geburtsmonat eines Menschen beeinflusst die spätere Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten. Das haben Forscher der Columbia University in New York herausgefunden. Sie fanden 55 Krankheiten, die signifikant häufiger bei Menschen auftreten, die in einem bestimmten Monat oder zu einer bestimmten Jahreszeit geborden wurden.

Das Ergebnis: Im Großen und Ganzen haben Menschen, die im Mai geboren wurden, das niedrigste Krankheitsrisiko. Herbstkinder, deren Geburt in den Oktober oder November fällt, haben das höchste. Doch solche allgemeinen Aussagen sind schwierig - denn für die einzelnen Krankheitsbilder schwanken die Ergebnisse der Studie stark.

Das höchste Risiko für Atemwegserkrankungen etwa fanden die Forscher bei einer Geburt im Oktober und November, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen hingegen ist das Risiko in den Monaten März und April höher als in den anderen Monaten. Während das Asthma-Risiko seinen Höhepunkt im Geburtsmonat September findet, sind im November Geborene einem höheren ADHS-Risiko ausgesetzt oder der Gefahr, an Virusinfektionen oder einer akuten Bronchitis zu erkranken.

Für ihre Studie werteten die Forscher Daten von rund 1,7 Millionen Patienten aus, die zwischen 1985 und 2013 in zwei New Yorker Krankenhäusern behandelt worden waren. Geboren wurden die Patienten zwischen 1900 und 2000. Die Wissenschaftler warfen auf 1688 Krankheiten einen genaueren Blick und versuchten, diese in einen Zusammenhang mit dem Geburtsmonat der Patienten zu bringen. "Gibt es bestimmte Monate, bestimmte Jahreszeiten, die anzeigen könnten, ob ein höheres Risiko besteht, eine bestimmte Krankheit zu bekommen?", fasst Nicholas Tatonetti die Ausgangsfrage zusammen. Tatonetti ist einer der Leiter der Studie, die im Fachblatt "Journal of the American Medical Informatics Association" veröffentlicht wurde.

"Es gibt viele Faktoren und Variablen"

Die Geburtsmonate und ihr Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten.
Die Geburtsmonate und ihr Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten.(Foto: Dr. Nicholas Tatonetti)

Der Wissenschaftler warnt jedoch davor, sich die Ergebnisse allzu sehr zu Herzen zu nehmen, sollte man selbst oder das eigene Kind in einem Risikomonat geboren sein. "Es ist wichtig, sich wegen dieser Ergebnisse nicht verrückt zu machen", sagt Tatonetti. "Unsere Studie zeigt zwar, dass es Geburtsmonate mit höherem Krankheitsrisiko gibt, aber das Risiko ist nicht so hoch, dass man sich ernsthafte Sorgen machen sollte." Es gebe viele Faktoren und Variablen, die bei der Gesundheit eines Menschen eine wichtige Rolle spielen.

Doch wie erklären sich die Forscher das, was sie herausgefunden haben? Auch wenn die genauen Zusammenhänge noch im Dunkeln liegen - es gibt Anhaltspunkte dafür, warum die Geburt zu einer bestimmten Jahreszeit Einfluss auf die Gesundheit eines Menschen haben könnte. So hat zum Beispiel bereits im Jahr 1983 eine Studie herausgefunden: Kinder, die zu einer Jahreszeit geboren wurden, in der ein höheres Aufkommen an Staubmilben herrscht, haben später ein um 40 Prozent höheres Risiko, durch Komplikationen wegen der Milben an Asthma zu erkranken.

Auch die saisonal bedingten Schwankungen des Vitamin-D-Spiegels (der im Winter niedriger ist als im Sommer) könnten eine Erklärung sein. Oder die Tatsache, dass Frauen bei einer Schwangerschaft im Winter anfälliger für Infektionen sind. "Wir haben einige Theorien, die wir untersuchen. Aber wir wollen alle Möglichkeiten anhand von Daten überprüfen, um die genauen Mechanismen zu finden, die diese Zusammenhänge verursachen", sagt Tatonetti.

Mit Astrologie hat all das also gar nichts zu tun. Auch wenn noch nicht alle Fragen geklärt sind, ist klar, dass die Antworten darauf nicht in den Sternen, sondern in weitergehenden Untersuchungen und Analysen stehen. Die Studie zeigt jedoch: Selbst wenn man auf seine Ernährung und seinen Körper achtet, gibt es Faktoren, auf die man schlicht keinen Einfluss hat. Die Gesundheit ist ein hohes Gut. Gerade deshalb, weil man nicht alles kontrollieren kann.

Quelle: n-tv.de

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