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Wurde vom spanischen Festland eingeschleppt: die angriffslustige Hufeisennatter.
Wurde vom spanischen Festland eingeschleppt: die angriffslustige Hufeisennatter.(Foto: imago stock&people)
Sonntag, 13. August 2017

Zwei Meter lange Reptilien: Mallorca leidet unter Schlangenplage

Als mallorquinische Hausbesitzer sich Olivenbäume aus Andalusien liefern lassen, reist der eine oder andere blinde Passagier mit: Seit etwa fünfzehn Jahren gibt es Hufeisennattern auf der Balearen-Insel. Nun werden sie dort mancherorts zur Plage.

Fünf Schlangenarten sind auf Mallorca bekannt. Während Kapuzennatter und Vipernatter schon lange auf der Balearen-Insel heimisch sind, wurden Eidechsen-, Treppen- und Hufeisennatter in den letzten 15 Jahren beim Import von Pflanzen, etwa von Olivenbäumen aus Andalusien, eingeschleppt. Für all diese Schlangenarten gilt: Sie sind nicht giftig, zum Teil aber durchaus aggressiv. Die Hufeisennatter beißt zu, wenn sie in die Enge getrieben wird und sich bedroht fühlt. Das kann zu tiefen Wunden führen. Anfassen sollte man das Tier nicht.

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Gerade die Hufeisennatter ist es aber, die schon seit Monaten für Schlagzeilen sorgt auf der bei den Deutschen so beliebten Urlaubsinsel. Immer häufiger entdecken Anwohner eine Schlange dieser Art im eigenen Garten oder auf dem Feldweg. Im Nordosten Mallorcas ist daher inzwischen von einer Schlangenplage die Rede. "Seit April wurden 200 Schlangen auf der Insel eingefangen. Auf Formentera 600 seit November", wird Samuel Piña Fernández, Professor am biologischen Institut der Balearen-Universität UIB, im "Mallorca Magazin" zitiert.

Keine natürlichen Feinde auf Mallorca

Dem Lokalmagazin zufolge haben in der kleinen Stadt Artà inzwischen viele Menschen Angst, zu ihrem Zweitdomizil hinaus aufs Land zu fahren. Dort seien Hufeisennattern von bis zu zwei Metern Länge gesehen worden. Das balearische Umweltministerium reagierte: Rund 200 Schlangenfallen hat es auf der Insel aufstellen lassen.

Die gefangenen Tiere werden eingeschläfert und an der Balearen-Universität von Piña Fernández und seinem Team untersucht. "Unser Ziel ist es, die Tiere genau zu studieren und zu lokalisieren, um dann besser gegen die Ausbreitung angehen zu können", sagt der Zoologe. "Mittlerweile haben die Reptilien sich fast überall auf der Insel verbreitet." Mit den Aktionen zur Eindämmung sei man spät dran. Die Tiere hätten – seitdem sie eingeschleppt wurden – genug Zeit gehabt, sich zu vermehren. Natürliche Feinde hat die Schlange auf den Balearen bis auf den Menschen nämlich nicht.

In Artà können sich die Bewohner nun auch im Rathaus eine Falle gegen Pfand ausleihen. Das Umweltministerium stellt zudem Anleitungen zur Verfügung, nach denen man die Fallen selber bauen kann. Geködert werden die Schlangen dann zum Beispiel mit einer Maus. Einmal gefangen, soll man das Reptil von einem Tierarzt einschläfern lassen. Eine andere Lösung, sagt Piña Fernández, gebe es noch nicht. Der Zoologe plädiert dafür, die Einfuhrbestimmungen an Häfen und Flughäfen zu ändern, damit importierte Ware stärker untersucht werde - nach blinden Passagieren.

Quelle: n-tv.de

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