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Elon Musk, der in "Mars" mehrfach zu Wort kommt, will mit einer Kombination aus Rakete und Raumschiff mindestens 100 Passagiere zum Roten Planeten bringen.
Elon Musk, der in "Mars" mehrfach zu Wort kommt, will mit einer Kombination aus Rakete und Raumschiff mindestens 100 Passagiere zum Roten Planeten bringen.(Foto: xSpacexx)
Mittwoch, 14. Juni 2017

Raumflug mit National Geographic: "Mars": Visionen, Gefahren, Technologien

Von Andrea Schorsch

Der Mensch fliegt zum Mars, da sind sich Raumfahrt-Experten einig. Schon lange arbeiten sie daran, eine solche Mission zu ermöglichen. Wie der Rote Planet zu unserer zweiten Heimat wird? "Mars" zeigt das - als Doku und Actiondrama in einem.

Wenn sie überleben will, müsse die Menschheit innerhalb der nächsten 100 Jahre einen anderen Planeten besiedeln, sagte Astrophysiker Stephen Hawking jüngst der BBC. Doch von einem Flug zum Mars träumten die Menschen schon, als er noch nicht Plan B im Fall einer irdischen Apokalypse war. Bereits 1948 veröffentlichte Raketenforscher Wernher von Braun mit dem "Marsprojekt" die erste seriöse Studie zu einem bemannten Marsflug. Wenig später war eine Raumfahrer-Mission zum Roten Planeten Teil des Wettlaufs, den sich die USA und die Sowjetunion lieferten. Auf beiden Seiten wurden entsprechende Projekte entwickelt, gestartet und verworfen, neu konzipiert und wieder aufgenommen. Stets zeichnete sich das Fernziel Mars am Horizont ab - und doch ist es bis heute für den Menschen unerreichbar.

Sechs Mal 47 Minuten und viele Extras: "Mars" ist am 24. Mai 2017 auf DVD erschienen und kostet 19,99 Euro. Die Blu-ray ist für 24,99 Euro zu haben.
Sechs Mal 47 Minuten und viele Extras: "Mars" ist am 24. Mai 2017 auf DVD erschienen und kostet 19,99 Euro. Die Blu-ray ist für 24,99 Euro zu haben.

Was einer bemannten Mars-Mission noch immer im Wege steht und wie gefährlich eine solche Reise ist, zeigt die jetzt auf DVD und Blu-ray erschienene National-Geographic-Serie "Mars". In einem gewagten Spagat zwischen Science-Fiction-Drama und Dokumentation inszeniert "Mars" die Besiedelung des Roten Planeten durch den Menschen und lässt daneben diverse Mars-Forscher und Raumfahrtingenieure zu Wort kommen.

Die Landung als größte Herausforderung

So erklärt zum Beispiel Jim Green von der Nasa, welche Probleme allein bei der Landung auf dem Roten Planeten bestehen. Denn dort aufzusetzen, gilt schon mit unbemannter Technik – Sonden und Rovern – als äußerst schwierig; der Mars ist ein Friedhof für Raumfahrzeuge. "Momentan kriegen wir einen 1-Tonnen-Rover auf den Boden", sagt Green, "mehr geht noch nicht. Um Menschen auf den Mars zu bringen, benötigen wir aber 40 Tonnen." Die Technik zur Landung sieht Green als die größte Herausforderung. "Der Mars hat eine Atmosphäre, aber nicht genug, um richtig zu bremsen. Deshalb benötigen wir Bremsraketen, Fallschirme und Hitzeschilde. Wir brauchen jede Technologie, die wir einsetzen können, um Menschen auf die Oberfläche des Mars zu bringen."

Bilderserie

Dass aber auch mit den besten Technologien noch einiges schiefgehen kann, stellen die Science-Fiction-Szenen der sechsteiligen "Mars"-Serie dar. Sie spielen in den Jahren 2033 und 2037 und zeigen, wie der Flug zum Roten Planeten, die Ankunft von Menschen und ihr Leben dort aussehen könnten – mit allen Bedrohungen, Risiken und möglichen Katastrophen. Wer "Mars" sieht, bekommt einen guten Überblick über Forschung, Missionen und Technologie und erlebt nebenbei auch noch ein Actiondrama mit. Doch die Verbindung von beidem ist gewöhnungsbedürftig. "Mars" lässt die Grenze zwischen Fakt und Fiktion bewusst verschwimmen.

Bezahlbar durch Recycling

Wenn etwa die Filmhelden in fingierten Interviews erzählen, warum sie zum Mars wollen, ist das eine Frage, die in einem der Reportage-Abschnitte auch SpaceX-Begründer Elon Musk für sich beantwortet: "Wir werden entweder eine Raumfahrer-Zivilisation oder wir stecken bis zu unserer Auslöschung auf einem einzigen Planeten fest", sagt er und ist sich in diesem Punkt nicht nur mit Hawking einig, sondern auch mit Andy Weir, dem Autor vom "Marsianer". "Wir müssen zum Mars. Das kann uns vor dem Aussterben retten", sagt Weir in der National-Geographic-Serie. "Es kann so viel passieren, was die gesamte Menschheit auslöscht. Aber wenn es auf zwei Planeten Menschen gibt, ist ein Aussterben nahezu unmöglich."

Für Elon Musk war die bemannte Raumfahrt zum Roten Planeten, wie er in "Mars" erzählt, der einzige Anlass für die Gründung von SpaceX. Sein Raumfahrtunternehmen wolle die Technologien für eine sich selbst versorgende Stadt auf dem Mars entwickeln und interplanetares Leben ermöglichen. Das sind ambitionierte Pläne und sie sind nicht nur mit anspruchsvollster Forschung und technischem Know-how verbunden, sondern auch mit exorbitanten Kosten – einem weiteren großen Hindernis auf dem Weg zum Mars. Die Kosten zu senken, ist erklärtes Ziel von SpaceX. Musk setzt auf wiederverwendbare Raketen. "Wären Segelschiffe früher nur einmal verwendbar gewesen, gäbe es die USA heute nicht", argumentiert er in "Mars".

Nasa plant den Mars-Menschen für 2039

Doch noch ist eine recycelbare Mars-Rakete Zukunftsmusik. Anders als es die Serie präsentiert, wird 2033 wohl noch kein Mensch seinen Fuß auf den Roten Planeten setzen. Die Nasa geht aktuell für das Jahr 2039 von einem bemannten Mars-Flug aus. Einige Wissenschaftler halten auch das noch für verfrüht und sprechen von 2048. Die Vorbereitungen, die Forscher, Raumfahrtbehörden und Industrie treffen, um ans Ziel zu gelangen, beleuchtet "Mars" von allen Seiten. So begleitet die Serie zum Beispiel auch den ein Jahr währenden ISS-Aufenthalt des Nasa-Astronauten Scott Kelly und stellt darüber hinaus die ExoMars-Mission, das Gemeinschaftsprojekt von Esa und Roskosmos zur Suche nach Leben auf dem Roten Planeten, ausführlich vor.

Dabei transportiert "Mars" die Begeisterung, mit der Astronauten, Wissenschaftler und Raumfahrtingenieure vom Roten Planeten sprechen und bleibt doch realistisch: Dass ein Mars-Flug und der Aufenthalt auf dem Planeten lebensgefährliche Unterfangen sind, wird nur allzu deutlich. Das ist auch allen Mars-Experten bewusst. Und doch ist der Wille, das Unmögliche zu erreichen, stark. Es geht um das vielleicht größte Abenteuer der Menschheit, um Entdeckungen und neue Grenzen - eines Tages womöglich sogar weit über den Mars hinaus.

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Quelle: n-tv.de

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