Wissen
Das Hormon, das bei Männern zu 95 Prozent in den Hoden produziert wird, wird illegal auch als Dopingmittel verkauft.
Das Hormon, das bei Männern zu 95 Prozent in den Hoden produziert wird, wird illegal auch als Dopingmittel verkauft.(Foto: picture alliance / dpa)

Männliche Jugendliche untersucht: Mehr Testosteron, weniger Geduld

Heranwachsende können anstrengend sein. Sie reagieren oftmals impulsiv und ungeduldig. Was diese Reaktionsweise mit einem männlichen Geschlechtshormon zu tun hat, finden Forscher nun heraus.

Als Geduld wird die Bereitschaft bezeichnet, ruhig und beherrscht abzuwarten. Ein Problem für manche Menschen, vor allem aber für Jugendliche. Ob und wie diese Ungeduld mit dem Anstieg von Hormonen bei Heranwachsenden zusammenhängt, haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität von Kalifornien in Berkley untersucht. Da Jungen oftmals impulsiver sind als Mädchen, beschränkten sich die Forscher auf männliche Jugendliche im Alter zwischen 11 und 14 Jahren.

Sie maßen in zwei morgendlichen Speichelproben bei insgesamt 72 Jungen die Testosteronkonzentration und konnten daraus den Pubertätsstatus der Probanden ermitteln. Zusätzlich mussten die Heranwachsenden einen Test durchlaufen, bei dem sie insgesamt 80 Mal über einen hypothetischen Geldbetrag entscheiden sollten. Die Studienteilnehmer konnten zwischen einem baldigen, kleineren und einem höheren Geldbetrag in ferner Zukunft wählen.

Die Forscher konnten mit ihren Ergebnissen zeigen, dass ein Großteil der Jugendlichen empfänglicher für unmittelbare Belohnungen ist. Rund zwei Drittel der Studienteilnehmer entschieden sich für den kleineren Geldbetrag, den sie schneller haben könnten. Sensibilität in Bezug auf unmittelbare Belohnungen bringen die Wissenschaftler mit den Effekten des Testosterons auf bestimmte belohnungsbezogene Hirnregionen, wie dem sogenannten Striatum, in Verbindung. Mit dem Alter der Studienteilnehmer kann diese Sensibilität nicht erklärt werden. Die Forscher wissen auch, dass erst mit zunehmendem Alter der Zeitpunkt der Belohnung weniger wichtig wird.

Ungleiche Gehirn-Reifung

Eine erhöhte Impulsivität von Jugendlichen ist der Studie zufolge auf ein Ungleichgewicht in der Reifung zwischen zwei verschiedenen Netzwerken im Gehirn zurückzuführen. Es geht dabei um das sogenannte subkortikale affektive Netzwerk und um das kortikale kognitive Kontrollnetzwerk und um die Verbindung der beiden. Das affektive Netzwerk - besonders das Striatum -, das an der Wahrnehmung und Bewertung von Belohnungen beteiligt ist, reift schneller als das Kontrollnetzwerk und seine Verbindungen. Erst mit zunehmendem Alter wird die Verbindung zum Kontrollnetzwerk stärker und Jugendliche lernen, sich zu gedulden und zukünftige Belohnungen wertzuschätzen.

In einer nächsten Untersuchung soll nun die Funktion von Testosteron innerhalb dieser Netzwerke untersucht und geklärt werden. Die Forscher wollen herausfinden, inwieweit Testosteron das festgestellte Ungleichgewicht beeinflusst. Damit könnte dann die Anfälligkeit von Jugendlichen für impulsive Entscheidungen erklärt werden.

Anhand der aktuellen Ergebnisse geben die Forscher konkrete erzieherische Hinweise: "Impulsivität gehört zum Erwachsenwerden und ist Teil einer gesunden Entwicklung. Jugendliche eignen sich damit neue Fähigkeiten an, die sie als eigenständiges Individuum brauchen. Doch Jugendliche können sich mit ihrem impulsiven Verhalten auch schaden", erklärt Wouter van den Bos vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Aus erzieherischer Perspektive kann es vor dem Hintergrund der vorliegenden Studienergebnisse ratsam sein, gutes Verhalten von Jugendlichen kurzfristiger zu belohnen, anstatt auf Belohnungen in der Zukunft zu verweisen. 

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America".

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen