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Winde leiten Wärme nach Europa: Mini-Stürme beeinflussen Klima

Jedes Jahr überqueren Tausende polarer Mini-Stürme den Nordatlantik, werden aber in Klimamodellen nicht weiter beachtet. Das sollten sie aber, denn die Winde leiten Wärme nach Europa und beeinflussen damit das Klima nachhaltig.

Die orkanartigen Winde verändern unter anderem die Meeresströmung.
Die orkanartigen Winde verändern unter anderem die Meeresströmung.

Kleine Stürme über dem Nordatlantik haben einen unterschätzten Einfluss auf das Klima in Europa und Nordamerika. Solche Tiefdruckgebiete beeinflussen Meeresströmungen und tragen dazu bei, dass Wärme nach Europa geleitet wird. Das berichten Forscher aus den USA und Großbritannien in der Fachzeitschrift "Nature Geoscience". Die Wissenschaftler fordern, die Mini-Stürme künftig in Klimaberechnungen miteinzubeziehen.

Jedes Jahr überqueren Tausende polare Tiefdruckgebiete den Nordatlantik zwischen Südgrönland und Norwegen, oft mit orkanartigen Winden und bis zu elf Meter hohen Wellen. Diese Tiefs haben weniger als 1000 Kilometer Durchmesser und dauern meist nur wenige Tage, schreiben Alan Condron von der University of Massachusetts in Amherst und Ian Renfrew von der University of East Anglia in Norwich. Die meisten Stürme sind sogar nur 250 Kilometer klein und dauern unter 48 Stunden.

Grönlandsee-Wirbel angekurbelt

Trotz ihrer enormen Zahl werden diese Tiefs bisher in Klimamodellen kaum berücksichtigt. In Computersimulationen berechneten die Forscher nun, wie stark ihr Einfluss ist. Denn die starken Winde entziehen dem Oberflächenwasser Wärme. Das kühlere Wasser sinkt dann schneller und in größere Tiefen ab.

Die Simulationen zeigen, dass die Stürme die Umwälzung des Wassers etwa im Europäischen Nordmeer zwischen Grönland, Skandinavien und Spitzbergen verstärken. Demnach kurbeln sie den sogenannten Grönlandsee-Wirbel an, der aus verschiedenen Strömungen besteht. Auf dessen Ostseite leitet der Norwegische Atlantikstrom warmes und salzreiches Wasser entlang der skandinavischen Küste polwärts. Auf der Westseite führt der Ostgrönlandstrom kaltes und salzarmes Wasser durch die Dänemark-Straße zwischen Grönland und Island nach Südwesten in den Atlantik Richtung Nordamerika.

Zahl der Tiefdruckgebiete könnte zunehmen

Die polaren Tiefdruckgebiete verstärken diesen Wirbel deutlich. Damit tragen sie stark etwa dazu bei, dass warmes Wasser im Atlantik nach Norden geleitet wird. Daher müssten Klimamodelle diese kleinen Stürme berücksichtigen, fordern die Forscher.

Manche Studien deuten darauf hin, dass die Zahl der polaren Tiefdruckgebiete in den kommenden 20 bis 50 Jahren abnehmen wird. Dies könnte möglicherweise den Transport von warmem Wasser nach Europa schwächen.

"Die Tatsache, dass Klimamodelle diese Stürme nicht simulieren, ist ein echtes Problem, denn diese Modelle werden fehlerhaft vorhersagen, wie viel Wärme nach Norden in die Polarregion geleitet wird", betont Condrom laut einer Pressemitteilung seiner Universität. "Das erschwert eine zuverlässige Prognose darüber sehr, wie sich das Klima in Europa und Nordamerika in der nahen Zukunft verändern wird."

Quelle: n-tv.de

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