Bienen unter Handyeinfluss sammeln zwar Nektar, kehren aber seltener zu ihrem Bienenstock zurück.
(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 02. Juni 2010
Der "Völkerkollaps": Mobilfunk führt zum Bienentod
Unter Imkern und in der Forschung ist es schon seit einigen Jahren Thema: das große Bienensterben. Besonders in den USA, Europa, dem Mittleren Osten und Japan ist es zu beobachten. Die Bienenkolonien sind zum Teil um bis zu 85 Prozent geschrumpft.
Erklärungen für das Phänomen, das Experten als "Völkerkollaps" bezeichnen, fußen bisher weniger auf Fakten als auf Vermutungen. Milben kommen als Ursache ebenso in Frage wie Viren, Umwelteinflüsse ebenso wie Nahrungsmangel oder Pestizide.
Honig-Produktion wird eingestellt
Forscher der Punjab University im indischen Chandigarh haben nun konkrete Hinweise darauf gefunden, dass auch der Mobilfunk eine Mitschuld am Bienensterben trägt. Die Wissenschaftler bestrahlten einen Bienenstock mehrmals täglich mit zwei Handys. Nach drei Monaten verzeichneten sie eine deutliche Verkleinerung des Bienenvolkes und eine geringere Anzahl von Eiern. Außerdem war die Honig-Produktion zum Erliegen gekommen. Die Arbeiterinnen kehrten immer seltener zum Bienenstock zurück, nachdem sie Nektar gesammelt hatten. Auffällig war, dass die Bienen nicht in ihrem Stock starben und auch in der näheren Umgebung nicht vermehrt tote Tiere zu finden waren.
Orientierungssinn leidet
Ved Prakash Sharma und Neelima Kumar, Autoren der im Journal "Current Science" veröffentlichten Studie, kommen zu dem Schluss, dass sich die elektromagnetischen Wellen des Mobilfunks nachteilig auf den Orientierungssinn der Bienen auswirken. Dieses Ergebnis soll nun mit weiteren Experimenten überprüft werden.
Auch in Deutschland beklagen Imker aktuell ein überdurchschnittlich hohes Bienensterben. Hierzulande ist daran offenbar der harte Winter schuld. Die Bienenvölker schrumpften doppelt so stark wie sonst im Winter üblich.
asc
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