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Mit Musik geht alles besser - auch die Entspannung.
Mit Musik geht alles besser - auch die Entspannung.(Foto: imago/Westend61)
Donnerstag, 06. August 2015

Ob traurig oder fröhlich: Musik kann Stress reduzieren

Der Musik werden viele Wirkungen zugeschrieben: Sie aktiviert, berührt oder macht aggressiv. Unter welchen Umständen sie Stress abbaut, erklären Psychologen.

Das Hören von Musik kann im Alltag Stress abbauen. Das haben Forscher der Universität Marburg herausgefunden. Das Team um den Biopsychologen Urs Nater untersuchte sowohl die Motivation fürs Musikhören der Probanden als auch bestimmte Stressmarker im Speichel zu verschiedenen Zeiten. Dafür mussten die Studienteilnehmer Fragebögen ausfüllen und Speichelröhrchen füllen, allerdings nicht im Labor, sondern zu Hause. So sollte eine möglichst alltagsnahe Datenerhebung entstehen.

Die Fragen mussten sechs Mal am Tag an fünf aufeinanderfolgenden Tagen beantwortet werden. Zuerst am relativ stressfreien Beginn des Semesters und dann am stressigen Ende des Semesters noch einmal. Sie bezogen sich auf das subjektive Befinden der Probanden und auf deren Musikhörverhalten.

Die Probanden sollten angeben, ob sie seit der letzten Befragung Musik gehört hätten und wenn ja, wie traurig oder fröhlich und wie aktivierend sie diese empfänden. Darüber hinaus wurde die Motivation für das Musikhören abgefragt. Die Probanden konnten wählen zwischen "Entspannung", "Aktivierung", "Ablenkung" und "Langeweile reduzieren". Dabei waren Mehrfachnennungen möglich. Zudem sollten die Studienteilnehmer ihren subjektiv empfundenen Stresslevel einschätzen.

Spucke im Kühlschrank

Eine Teilgruppe mit 25 Probanden bekam die Aufgabe, im Erhebungszeitraum an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu jeder Messung Speichelproben in vorbereiteten Röhrchen von sich selbst zu sammeln und im Kühlschrank aufzubewahren. Diese wurden am Ende der Messungen von den Forschern auf zwei typische Stressmarker, nämlich Cortisol und Alpha-Amylase, untersucht.

Mittels der Daten konnten die Forscher ablesen, dass immer dann, wenn Musik zur Entspannung gehört wurde, die Probanden nicht nur von geringerem Stress berichteten, sondern auch geringere Cortisolwerte in ihrem Speichel nachzuweisen waren. Dies war insbesondere für den späten Nachmittag und Abend der Fall. Dabei war es egal, welche Art der Musik die Probanden hörten.

Nur Musik hören, reicht nicht

Allerdings zeigte sich bei dieser Untersuchung auch, dass die als beruhigend beschriebene Musik eine geringere Konzentration an Alpha-Amylase im Speichel hervorruft, unabhängig von der Motivation für das Musikhören. Die Forscher folgerten daraus, dass Alpha-Amylase unter anderen Umständen vom Körper produziert wird als Cortisol. Die dargestellten Zusammenhänge konnten vor allem in der stressfreieren Zeit am Anfang des Semesters dargestellt werden.

"Es scheint so zu sein, dass in Phasen von mehr Stress das bloße Hören von Musik keine entspannende Wirkung entfalten kann. Es wurde aber auch deutlich weniger Musik in der stressreichen Woche gehört. Daraus könnte man folgern, dass in Phasen von erhöhtem Stress weniger Zeit zur Stressreduktion bleibt", erklärte Nater.

Zusammenfassend lässt sich erkennen, dass Musikhören im Alltag eine vielversprechende Möglichkeit zur Stressreduktion sein kann. Und zwar für alle, die sich gezielt mit Musik entspannen möchten.

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Quelle: n-tv.de

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