Freitag, 20. November 2009
"In flagranti": Mutiertes H1N1-Virus entdeckt
Kanadische Mediziner haben ein mutierendes Schweinegrippevirus "in flagranti" erwischt. In einem 13-jährigen Jungen waren die Erreger noch empfindlich gegen den Wirkstoff Oseltamivir, im angesteckten 59-jährigen Vater nicht mehr. Das Team um Guy Boivin vom Centre Hospitalier Universitaire im kanadischen Quebec hat seinen Bericht im "New England Journal of Medicine" publiziert. Dort mahnen die Ärzte ihre Kollegen, besonnen mit der vorbeugenden Verschreibung des Medikamentes – Handelsname Tamiflu – umzugehen.
Die Infektion des Kindes wurde durch mehrere Tests bestätigt, der Junge erhielt Tamiflu und wurde entlassen. Auch seine Familie – der 59-jährige Vater, die 50-jährige Mutter sowie die 15 und 18 Jahre alten Schwestern – bekamen die Pillen. Beim Vater wirkten sie nicht mehr. Boivin und seine Kollegen sequenzierten die Viren von Vater und Sohn und fanden die Ursache der Resistenz: Im viralen Protein Neuraminidase, das von Tamiflu geblockt wird, war infolge der Mutation des Virus im Vater eine einzelne Aminosäure ausgetauscht. Damit war das neue Virus 400 Mal weniger empfindlich gegen das Medikament. Bereits kleine Mengen des Medikamentes Tamiflu im Körper des Vaters ließen die Resistenz entstehen, schreibt das Team.
In den vergangenen Wochen hatte es bereits mehrere Berichte über solche Resistenzen gegeben, etwa aus Hongkong, Japan und Dänemark. Die Gesundheitsbehörden nannten diese Einzelfälle jedoch nicht beunruhigend. Tamiflu-Hersteller Roche betonte, ein geringer Anteil von Resistenzen sei zu erwarten gewesen und werde stets auch bei der saisonalen Grippe beobachtet.
dpa
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