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Kleine Krankmacher? Nanoteilchen bergen Risiken

22.10.2009, 11:31 Uhr

Sie sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen und trotzdem um uns herum. Nanoteilchen verbergen sich in Funktionswäsche, Sonnencremes, Autos, Putzmitteln, Schuhputzzeug oder Wandfarbe.

Sie sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen und sind trotzdem um uns herum. Die Rede ist von Nanoteilchen, die sich etwa in Funktionswäsche, Sonnenschutzcremes, Putzmitteln, Autos, Schuhputzzeug oder Wandfarbe verbergen. Doch so praktisch und innovativ die industriell hergestellten Mini-Mini-Teilchen oft auch sind - sie bergen auch Risiken für Mensch und Natur, wie aus einem Hintergrundpapier des Bundesumweltamtes (UBA) hervorgeht.

Was die UBA-Experten in dem Papier an Forschungsergebnissen zusammengetragen, klingt nicht sehr beruhigend. Demnach können die zum Beispiel aus Metallen, Kohlenstoff oder organischen Verbindungen bestehenden Nanopartikel beim Einatmen in die Lunge gelangen und dort Entzündungen auslösen. Manche Teilchen könnten sogar über die Blutgefäße in weitere Organe des Körpers geschwemmt werden, erklärt UBA-Toxikologin Heidi Becker.

Krankmachende Wirkung

"Bestimmte Nanopartikel können krank machen", sagt Becker. Mit Sorge denkt die Toxikologin an Tierversuche, denen zufolge bestimmte Nanopartikel die Erbinformation DNS schädigen und Lungenkrebs auslösen können. Als bedenklich gelten zum Beispiel jene Nanoröhrchen aus Kohlenstoff, denen eine krankmachende Wirkung ähnlich dem Asbest nachgesagt werden.

Doch das ist nicht die einzige Sorge, die Becker und ihre Kollegen umtreibt. Ihnen geht es auch um mögliche Risiken für die Umwelt. Da gibt es zum Beispiel jene Socken, die Nanosilber enthalten und dadurch den Schweiß tilgen sollen. "Man weiß, dass nach dem ersten Waschgang die Hälfte der Silberpartikel abgeht", sagt die Toxikologin. Ganz zu schweigen von Nanoteilchen in Sonnencremes, die beim Duschen ins Abwasser gelangten. Was, wenn die Partikel die Funktion der Kläranlagen stören und in die Umwelt gelangen?

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Forscher in einem Nanotechnologie-Labor. (Foto: AP)

Das Umweltbundesamt gibt mit Blick auf solche nicht geklärten Risiken eine Empfehlung ab: Solange die Wirkung auf Mensch und Umwelt noch nicht erforscht sei, sollten Produkte, die Nanomaterialien frei setzen können, möglichst vermieden werden, heißt es in Richtung der Nano-Branche, in der deutschlandweit 800 Unternehmen tätig sind.

Melderegister gefordert

Aus Verbrauchersicht ist dies jedoch leichter gesagt als getan, denn noch lässt sich kaum sagen, in welchem Produkt wieviel Mini-Partikel stecken. Genau wie das Umweltbundesamt fordert daher auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) sowohl ein Melderegister, als auch eine Kennzeichnungspflicht für Produkte mit Nanopartikeln - die oft mehr als 1000 mal kleiner sind als der Durchmessers eines Menschenhaares. "Die Verbraucher müssen die Wahl haben", fordert Monika Büning, VZBV-Referentin für Umwelt und Produktsicherheit. Ein erster Schritt in die richtige Richtung sei die Kennzeichnung von Nano-Kosmetika, die eine EU-Verordnung von 2012 an vorschreibt.

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Die Technik wird unter anderem eingesetzt, um in Sonnencremes UV-Strahlen abzuhalten. (Foto: AP)

Noch sind es laut Büning einzelne Produkte, die Nanopartikel enthalten, und Lebensmittel zählten hierzulande noch nicht dazu. Doch die Mini-Bestandteile seien im Kommen, sagt die VZBV-Referentin. Bei allen Bedenken warnt sie davor, die gesamte Nano-Technologie schlechtzureden. "Darin stecken auch große Chancen, die wir nutzen müssen."

Auch das Umweltbundesamt steht der jungen Technologie keineswegs nur ablehnend gegenüber. Wenn die Partikel fest eingebunden seien wie etwa in Autolacken, sei deren Einsatz unbedenklich, sagt Toxikologin Becker. Vor allem aber können die Mini-Teilchen laut UBA-Experten einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Sie verweisen auf nanotechnisch optimierte Kunststoffe, die das Gewicht von Autos oder Flugzeugen senken und dadurch helfen, Treibstoff zu sparen. Einen wichtigen Beitrag habe die Nanotechnik auch bei der Entwicklung der energiesparenden LED-Leuchten geleistet.

Quelle: Julia Gaschik, AFP