Samstag, 30. Januar 2010
Fortschritt in der Parkinson-Forschung?: Nerven aus Hautzellen
(Foto: Reuters)
Ein Team von US-Forschern verwandelt Haut- in funktionierende Nervenzellen. Bislang war für diesen Schritt noch ein weiter Umweg nötig: Biologen versetzten dazu Hautzellen zunächst in den Status von Stammzellen zurück, dann machten sie daraus einige wenige gewünschte Gewebe. Nun gibt es eine Abkürzung.
Die Gruppe um Marius Werning vom Howard Hughes Medical Institute in Palo Alto berichtet im Journal „Nature“ über ihre Resultate. Der Erfolg gelang mit Hilfe von drei Erbanlagen, die zusätzlich in die Hautzellen geschleust wurden.
Die ursprüngliche Methode gründet auf einem Verfahren, das 2006 Furore machte. Der japanische Forscher Shinya Yamanaka schleuste vier zusätzliche Erbanlagen in tierische Hautzellen ein. In diesen startete daraufhin ein genetisches Programm, das die Hautzellen zu Stammzellen zurückentwickelt. Diese ähneln mit ihren Eigenschaften den embryonalen Stammzellen weitgehend und werden iPS-Zellen (induzierte pluripotente Stammzellen) genannt. Viele Forscher hoffen, Patienten mit ihren eigenen iPS-Zellen versorgen zu können.
Werning und seine Kollegen wollten sich den iPS-Umweg nach Möglichkeit sparen. Sie begannen ihre Experimente mit 19 zusätzlichen Erbanlagen, die sie in verschiedenen Kombinationen in die Hautzellen von Mäusen einfügten.
"Faszinierende Möglichkeiten"
Am Ende ihrer Arbeit zeigte sich, dass eine Kombination aus drei Genen eine schnelle und effiziente Wandlung zur Folge hatte. Resultat waren Nervenzellen, die sowohl elektrische Impulse als auch funktionierende Synapsen bildeten. Zudem lief in diesen induzierten Neuronen (iN) auch das für Nervenzellen typische genetische Programm. In einer kleinen Untergruppe der so geschaffenen Zellen fanden sich genetische Hinweise darauf, dass diese den Botenstoff gamma-Aminobuttersäure produzieren könnten. Dies ist ein chemischer Botenstoff im Hirn.
Dieses Resultat lässt eine ferne Hoffnung aufscheinen: Das Nervenleiden Parkinson geht auf einen Mangel des Botenstoffes Dopamin zurück. Wenn es gelänge, patientenspezifische Dopamin-produzierende Zellen zu schaffen, ließe sich den Betroffenen damit womöglich helfen. Werning spricht in diesem Zusammenhang von „faszinierenden“ Möglichkeiten.
dpa
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