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Gold bekommt man vielleicht nicht unbedingt draufgestreut - aber die Eisportion könnte etwas größer ausfallen, wenn man freundlich ist.
Gold bekommt man vielleicht nicht unbedingt draufgestreut - aber die Eisportion könnte etwas größer ausfallen, wenn man freundlich ist.
Mittwoch, 16. August 2017

Großes Kompliment, große Portion: Nette Kunden bekommen mehr Eis

Wird man vom Kellner besonders freundlich bedient, gibt man meist ein üppigeres Trinkgeld. Aber auch in die andere Richtung kann sich nettes Verhalten lohnen, zeigt eine Feldstudie mit Kebab und Eis in Deutschland und Österreich.

Wer einkaufen geht oder in ein Restaurant, erwartet, vom Personal freundlich und zuvorkommend bedient zu werden. Dann gibt es meist mehr Trinkgeld. Aber auch in die andere Richtung lohnt sich Freundlichkeit: Denn Kunden werden bevorzugt behandelt, wenn sie nett zum Verkäufer sind, berichten österreichische Wirtschaftsforscher im Fachjournal "Experimental Economics" über eine Feldstudie. Mit einem Lob vorweg bekomme ein Kunde zum Beispiel deutlich mehr Eis in die Tüte oder ein größeres Kebab. Auch Trinkgeld schon vor der Bestellung führe zu größeren Portionen.

Diese junge Frau war vielleicht besonders nett.
Diese junge Frau war vielleicht besonders nett.

Die Wissenschaftler um Michael Kircher von der Universität Innsbruck hatten mehrere Teilnehmer in Fast-Food-Lokale in Innsbruck und München geschickt und sie dort eine Tüte Eis kaufen lassen. Direkt danach wurde die Leckerei gewogen. Nach Komplimenten gab es 10 Prozent mehr Eiscreme. Trinkgeld im Voraus brachte 17 Prozent mehr - zog man die Kosten dafür wieder ab, blieb ein Plus von 7 Prozent.

Test mit über 100 Tüten Eis und 800 Döner-Wraps

Das Experiment wurde danach an Kebab-Ständen in Graz, Innsbruck und München fortgesetzt. Die dort gewonnenen Daten untermauerten die Ergebnisse. Insgesamt wurden über 100 Tüten Eis und 800 Döner-Wraps gekauft. Das Essen wurde danach meist verschenkt oder gespendet.

"Interessant war, dass der Effekt beim Trinkgeld über mehrere Besuche gleichgeblieben ist, während er bei Komplimenten deutlich anstieg und nach fünf Besuchen sogar stärker war als jener mit Trinkgeld", sagte Mitautor Stefan Palan. Nachhaltiges Loben könne die bevorzugte Behandlung noch weiter verstärken.

Die Studie zeige, dass immaterielle Anreize wie Anerkennung und Lob in der Gesellschaft wohl eher unterschätzt und finanzielle Anreize überschätzt werden. Es sei zu vermuten, dass solche Mechanismen in vielen alltäglichen Konsumentscheidungen ähnlich wirkten.

Quelle: n-tv.de

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