Montag, 03. August 2009
Wahrscheinlich von Gorillas: Neue HIV-Variante entdeckt
Forscher haben ein menschliches Immunschwächevirus (HIV) entdeckt, das wahrscheinlich von Gorillas stammt. Die neue Form eines HI-Virus (Human Immunodeficiency Virus) sei bei einer Frau aus Kamerun gefunden worden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Medicine". Nun müsse geprüft werden, ob das Virus schon weiter verbreitet sei oder ob es bisher erst vereinzelt Infizierte gebe.
Die Ergebnisse sind ein Hinweis darauf, dass auch Gorillas die Immunschwäche auf den Menschen übertragen können.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Bekannt sind bisher zwei Arten von HI-Viren: HIV-1 und HIV-2. Sie entstanden aus unterschiedlichen bei Affenarten vorkommenden Viren. Die HIV-1-Viren werden in drei Gruppen eingeteilt: M, O und N. Das neue Virus sei nun die vierte Gruppe, P genannt, schreibt das Team um Jean-Christophe Plantier von der Universität Rouen im Norden Frankreichs.
Die 62-jährige Frau sei vor etwa fünf Jahren von Kamerun nach Paris gezogen, kurz darauf wurde die Ansteckung mit HIV diagnostiziert. Da sie in der Folgezeit keinerlei Aids-Symptome zeigte, musste sie bislang nicht behandelt werden. Das bei ihr entdeckte Virus ähnele sehr dem SI-Virus (Simian Immunodeficiency Virus) von Gorillas, schreiben die Forscher.
Virus schon länger angepasst
Die Frau habe sich sehr wahrscheinlich nicht direkt bei Affen angesteckt, da sie in der Hauptstadt Kameruns, Yaoundé, gelebt habe - ohne Kontakt zu Affen oder Affenfleisch. Zudem weise die schnelle Vermehrung im Körper darauf hin, dass das Virus schon länger an den Menschen adaptiert sei. Die neue Gruppe sei demnach vermutlich auch bei weiteren HIV-Infizierten in Kamerun - oder auch schon in anderen Ländern - zu finden. Dies müssten nun weitere Tests zeigen.
Die Ergebnisse seien zudem ein Hinweis darauf, dass nicht nur Schimpansen, sondern auch Gorillas die Immunschwäche auf den Menschen übertragen können. Es müsse vor allem im Westen Zentralafrikas besser überwacht werden, ob neue HIV-Varianten in der Bevölkerung auftreten, fordern die Forscher.
(Fachartikelnummer: DOI 10.1038/nm.2016)
dpa
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