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Eine gesunde Ernährung sollte den Menschen durch niedrigere Preise erleichtert werden - finden die Forscher.
Eine gesunde Ernährung sollte den Menschen durch niedrigere Preise erleichtert werden - finden die Forscher.(Foto: imago/Eibner)
Montag, 13. November 2017

Obst günstiger, Chips teurer: Neue Steuern könnten Übergewicht stoppen

Gesunde Ernährung scheitert bisher auch am Preis. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie eines Ökonomen. Er schlägt ein gestaffeltes Mehrwertsteuer-System für Lebensmittel vor und will so den Anteil stark übergewichtiger Menschen um zehn Prozent senken.

Ein gestaffeltes System der Mehrwertsteuer für Lebensmittel könnte dabei helfen, die Zunahme von starkem Übergewicht zu stoppen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Ökonomen Tobias Effertz von der Universität Hamburg. Die Studie war unter anderem von der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Auftrag gegeben worden.

Berechnet wurden Ernährungsverhalten und Gewichtsentwicklung der Bevölkerung, wenn Obst und Gemüse gar nicht, ungesunde Lebensmittel aber höher als bisher besteuert werden. Das Ergebnis: Der Anteil stark übergewichtiger Menschen würde nicht weiter ansteigen, sondern sogar um zehn Prozent sinken. "Die Studie zeigt, dass die Bürger durchaus mehr gesunde Lebensmittel kaufen wollen, bisher aber auch am Preis scheitern", sagt Ernährungsmediziner Hans Hauner von der Technischen Universität München.

Andere Länder sind weiter

Die Mehrwertsteuer sollte sich den an der Studie beteiligten Forschern zufolge an der Lebensmittelampel orientieren: Gesunde Produkte wie Obst und Gemüse sollten mit null Prozent, Lebensmittel wie Nudeln, Milch oder Fleisch wie bisher mit sieben Prozent und besonders zuckerhaltige, salzige oder fettige Produkte mit mindestens 19 Prozent besteuert werden.

Einige Länder haben die Steuern für ungesunde Produkte bereits erhöht: Frankreich erhebt seit 2012 eine Steuer auf gesüßte Getränke. In Großbritannien müssen Getränkehersteller ab April 2018 eine Zucker-Abgabe zahlen. Auch in Berkeley (Kalifornien) gibt es eine höhere Steuer auf Softdrinks. Der Absatz sei daraufhin um 21 Prozent zurückgegangen, heißt es von der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Zudem änderten Hersteller von Fertigprodukten nach Steueranpassungen häufig ihre Rezepturen und reduzierten Fett und Zucker.

Ein Viertel der Bevölkerung betroffen

Rund 25 Prozent der deutschen Bevölkerung gelten derzeit als stark übergewichtig, Tendenz steigend. Eine besonders starke Zunahme bei der Zahl der Adipösen gab es unter jungen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren, so das Robert Koch-Institut (RKI). Starkes Übergewicht geht mit einem erhöhten Risiko für viele Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes und Krebs einher.

Die Idee einer stärkeren Regulierung der Lebensmittelpreise ist in Deutschland nicht neu. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Verbraucherorganisation Foodwatch eine Zucker-Abgabe für Getränkehersteller gefordert. Die Idee stieß auf ein geteiltes Echo: Während die Branche und das Bundesernährungsministerium ablehnend reagierten, begrüßten Gesundheitspolitiker aus den Reihen der Regierungskoalition den Vorschlag.

Quelle: n-tv.de

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