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Rizin-Gegenmittel gesucht: Neuer Schutz vor dem Supergift

Das Gift Rizin ist eines der stärksten, die die Natur hervorbringt. Schon geringe Mengen sind tödlich. Forscher finden zwei Substanzen, die Mäuse vor dem Supergift schützen.

Bändermodell des Rizins: Das Protein ist für Mensch und Tier tödlich.
Bändermodell des Rizins: Das Protein ist für Mensch und Tier tödlich.(Foto: AzaToth/Wikipedia)

Die Einnahme des giftigen Rizins bedeutet für Mensch und Tier den sicheren Tod, denn das Protein hemmt die Produktion neuer Proteine in der Zelle. Nachdem sie 200.000 chemische Substanzen auf ihre Wirksamkeit untersucht haben, präsentiert eine Gruppe um Ludger Johannes vom Centre National de la Recherche Scientifique nun zwei Verbindungen, die Mäuse vor dem tödlichen Gift schützen. Das Team aus dem französischen Gif sur Yvette berichtet im Journal "Cell" von ihren Resultaten.

Das pflanzliche Gift gilt als mögliches Agens für Bioterroristen und könnte von ihnen etwa ins Trinkwasser gegeben werden. Auch die US-Armee hatte Rizin in den 1940er Jahren als Kampfmittel getestet. Die Substanz kommt in Rizinussamen vor und könnte bei der Herstellung vieler handelsüblicher industrieller Produkte abgezweigt werden. Geringste Mengen reichen für seine Wirkung. Co-Autor Daniel Gillet ergänzt in einer Mitteilung zu der neuen Arbeit: "Es gibt einen echten Bedarf für ein Gegenmittel gegen Rizin."

Gift erreicht das Ziel nicht

Die neuen Substanzen namens Retro 1 und Retro 2 wurden mit einem automatisierten Hochdurchsatz-Screening ermittelt. Dabei testen Roboter automatisch die Wirkung chemischer Verbindungen auf Zellkulturen. Damit wird in kurzer Zeit möglich, was bei menschlicher Arbeit viele Jahre in Anspruch nähme. Beide Verbindungen verhindern nicht, dass Rizin in die Zelle gelangt. Sie sorgen aber dafür, dass das Gift sein endgültiges Ziel nicht erreicht: die Ribosomen, die Proteinfabriken der Zelle.

Besonders Retro 2 erwies sich als wirksam, berichten die Forscher in "Cell". Mäuse, die die Substanz vor dem Kontakt mit dem Gift erhielten, hatten bessere Chancen. Im Detail: Von 45 geschützten Mäusen überlebten 49 Prozent. In der Kontrollgruppe mit 130 nicht geschützten Tieren waren es nur 11,5 Prozent. Damit sei Retro 2 ein guter Kandidat, um auf dessen Grundlage neue Substanzen zum Schutz vor Rizin zu schaffen.

Quelle: n-tv.de

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