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Montag, 03. Oktober 2005

Magenbakterium-Entdeckung: Nobelpreis für zwei Australier

Für die unerwartete Entdeckung des Magenbakteriums Helicobacter pylori bekommen die australischen Forscher Barry Marshall und Robin Warren den Medizin-Nobelpreis 2005. Das teilte das Karolinska Institut in Stockholm mit.

Die beiden Mediziner hatten 1982 herausgefunden, dass dieser Erreger die Hauptursache für Magengeschwüre und Magenschleimhautentzündungen ist. Dank dieser Erkenntnis konnte eine schlagkräftige Therapie mit Antibiotika entwickelt werden, die 80 Prozent der Patienten heilt.

Zuvor hatten Betroffene oft ihr Leben lang an diesen chronischen Erkrankungen gelitten, als deren Auslöser damals vor allem Stress und ungesunde Lebensführung galten. Hartnäckig hätten der Pathologe Marshall (54) aus Adelaide und sein Kollege Warren (68) aus Perth dieses weit verbreitete Dogma in Zweifel gezogen, heißt es in der Begründung des Nobelpreis-Komitees. "Diese Entdeckung hat das Leben hunderttausender Menschen drastisch verbessert", sagte Komitee- Sprecher Staffan Norrmark.

Heute ist bestätigt, dass der Erreger für 90 Prozent der Zwölffingerdarmgeschwüre und für 80 Prozent der Magenschleimhautentzündungen verantwortlich ist. In den schlimmsten Fällen kann sich auch Magenkrebs entwickeln. In Deutschland erkranken etwa 20.000 Menschen jährlich an Magenkrebs, der meist tödlich verläuft.

Helicobacter pylori ist ein Bakterium mit langen Geißeln, das weltweit etwa jeder zweite Mensch im Magen hat - nur ein Teil davon bekommt jedoch Beschwerden. Durch verschmutzte Getränke und Lebensmittel wird der Keim meist schon im Kindesalter aufgenommen. In den ärmeren Ländern ist das Problem größer als in den reicheren.

Ein Selbstversuch, bei dem Marshall 1983 nach der Einnahme einer großen Portion Helicobacter pylori eine starke Gastritis bekam, bestätigte die Forscher in ihrem Verdacht. Sie bewiesen später, dass Menschen nur von ihren Magengeschwüren geheilt werden können, wenn der Keim mit Antibiotika abgetötet wird.

Der gefährliche Erreger kann mittlerweile problemlos mit einem Antikörper-, Atem- oder Stuhltest diagnostiziert werden. Eine siebentägige Behandlung mit einer Kombination aus Antibiotika und Magensäurehemmern merzt ihn dann aus. Allerdings warnen Forscher davor, diese Mittel unbedacht einzusetzen, denn der extrem wandlungsfähige Erreger zeigt bereits erste Resistenzen. Eine wichtige Alternative ist somit die Entwicklung eines Impfstoffs: Erste Tests damit am Menschen laufen unter anderem in Berlin.

Quelle: n-tv.de

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