Wissen
Bei einer Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg sterben am 25. Juli 2010 21 Menschen.
Bei einer Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg sterben am 25. Juli 2010 21 Menschen.(Foto: picture alliance / dpa)

Auch bei sehr rationalen Menschen: Panik ist ansteckend

Massenpanik ist ein schwer beschreibbares Phänomen. Es ist unvorhersehbar, wie das einzelne Individuum darauf reagiert. So können auch die rationalsten Menschen von unkontrollierbarer Angst ergriffen werden und in Panik verfallen.

Von Angst zur Panik ist es nach Angaben des Psychologen Jürgen Margraf nur ein kleiner Schritt. "Wenn die Angst nicht mehr kontrolliert, bewältigt und ausgehalten werden kann, dann spricht man von Panik", sagte der Professor der Ruhr-Universität Bochum. Bei Panik gebe es starke Symptome wie Herzklopfen, Schwindel und Schweißausbrüche. "Im Verhalten gibt es die drei fest vorprogrammieren Verhaltensmuster Kampf, Flucht oder die Schreckstarre", sagte Margraf.

Was beim Phänomen Massenpanik ablaufe, verstehe die Wissenschaft weniger gut. Worte spielten keine große Rolle, die Ansteckung erfolge auch auf einer nonverbalen Ebene. "Es gibt eine soziale Ansteckung und es ist nicht klar, wie ein einzelnes Individuum reagieren wird", erklärte der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Bei einer DSDS-Autogrammstunde waren am 27. März in Oberhausen 60 Kinder und Jugendliche verletzt worden. Statt der 5000 erwarteten Teilnehmer waren 19.000 gekommen. Es kam zur Massenpanik.

Individuelle Reaktion nicht vorhersehbar

Wie ein Mensch in einer solchen Situation reagiere, ist dem Experten zufolge nicht vorhersehbar: Leute, von denen man annimmt, dass sie schnell hysterisch werden, verhielten sich besonnen und bewahrten einen kühlen Kopf. Dagegen könnten rationale Menschen von Panik überfallen werden. "Und Letzteres scheint häufiger der Fall zu sein. Letztlich können wir alle von der Massenpanik angesteckt werden", sagte Margraf. Massenpanik wird umgangssprachlich auch als Massenhysterie bezeichnet.

Schon früher gab es Panikphänomene, etwa bei Konzerten der Beatles oder Rolling Stones. Im Vergleich dazu habe sich nach seiner Einschätzung nichts verändert. "Was sich verändert hat, ist die mediale Bombardierung, der wir ausgesetzt sind. Und es gibt eine Fokussierung auf einige wenige Leute", sagte der Experte.

Die Biologie des Menschen habe sich nicht verändert. Aber das durchschnittliche Angstniveau in der Bevölkerung in den Industriestaaten habe in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. "Wir sind heute ängstlicher als früher. Wenn wir ängstlicher sind, sind wir vielleicht auch anfälliger für Panik."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen