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Samstag, 08. Dezember 2007

Streit unterm Tannenbaum: Panik vor der Schwiegermutter

Konflikte mit Schwiegermüttern sind nach Expertenansicht häufig die Ursache für Streit unterm Tannenbaum. "Manche jungen Paare haben regelrecht Angst und Panik vor Weihnachten", sagte die Leiterin der Selbsthilfegruppe für Schwiegertöchter, Ruth Gall, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Über Probleme mit den Schwiegereltern offen zu sprechen sei in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu. Dabei seien die Auswirkungen solcher Familienkonflikte oft schlimm. "Depressionen und Magenprobleme sind relativ häufige Nebenwirkungen des Drucks auf die jungen Menschen."

Junge Familien bekämen oft ein Programm für die Feiertage verpasst und müssten versuchen, es beiden Elternpaaren recht zu machen. "Bei uns muss man sich immer noch anpassen. Es wird gesagt, Ältere haben mehr Rechte und Kompetenz", sagt Gall, die vor fast 13 Jahren in Augsburg die Selbsthilfegruppe für den Umgang mit Schwiegereltern gründete. "Das Problem mit der Schwiegermutter darf bei uns bis heute einfach nicht öffentlich existieren."

Das Problem nehme größere Ausmaße an, als allgemein angenommen, sagte Gall. Manche Eltern würden noch lange nach dem Auszug ihrer Kinder deren Post öffnen oder ihre Konten kontrollieren. Bei ihr hätten sogar Frauen und Männer Rat gesucht, die mit dem Gedanken gespielt hätten, sich umzubringen. Diese extremen Reaktionen zeigen laut Gall, dass hinter dem Schwiegermutter-Problem nicht nur die Eifersucht auf den Partner des eigenen Kindes stehe.

"Das hat mit Eifersucht nichts zu tun. Meistens stehen hinter solchen Konflikten überanspruchsvolle Eltern. Manche wollen einfach ihren Besitzstand sichern." Kinder sollten in eine Richtung gelenkt werden, etwa um unerfüllte Wünsche im Leben der Großmutter zu erreichen. Die Schwiegertochter beziehungsweise der -sohn stehe dabei im Weg. "Die Kinder kriegen in die Schuhe geschoben, dass die Mutter für sie auf alles verzichtet hat und sollen es jetzt zurückgeben. Es wird den Kindern nicht zugestanden, dass sie ein eigenes Leben führen, dass sie überhaupt erwachsen werden", sagte Gall. Nicht selten trete das Problem der übermäßigen Fürsorge in ganz normalen Familien auf.

Um das Problem zu lösen, müssen Betroffene laut Gall vor allem Geduld aufbringen. "Man muss offen über die Probleme reden und sich auch tatsächlich abgrenzen." Fühle man sich etwa in seiner Freiheit eingeschränkt, weil die Schwiegermutter täglich mit einem fertigen Essen vor der Tür stehe, solle man sich überwinden und sie freundlich wegschicken. Im Notfall müsse der Kontakt zu den Schwiegereltern zeitweise abgebrochen werden. Manchmal könne nur noch ein Psychologe helfen, sagte Gall. "Leute, die sich da herausgearbeitet haben, bestätigen, dass sich das auf ihr Leben positiv ausgewirkt habe."

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