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Gelandet! Als "Philae" hier seine Umgebung auf Tschuri knipste, hatte er auch eines seiner drei Beine im Blick.
Gelandet! Als "Philae" hier seine Umgebung auf Tschuri knipste, hatte er auch eines seiner drei Beine im Blick.

Forscher hoffen auf letzten Kontakt: "Philaes" Ende ist nah

Seine Landung gerät zum Hüpfer, die Versorgung mit Sonnenlicht kommt zu kurz, schnell hüllt sich "Philae" in Schweigen. Ein halbes Jahr später wird er aktiv, sendet Datenpakete - und verstummt erneut. Nun ist die Mission so gut wie beendet. Wird sich "Philae" verabschieden?

Ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass das Landegerät Philae - auf Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko unterwegs im Sonnensystem - etwas von sich hören ließ. Nach einer zweiwöchigen Funkstille schickte der Lander damals überraschend Daten zur Erde. Auch auf Kommandos aus dem Kontrollraum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln (DLR) reagierte er. "Philaes Lebenszeichen beweist uns, dass die Kommunikationseinheit am Lander weiterhin funktioniert und unsere Kommandos empfängt", erklärte DLR-Ingenieur Koen Geurts daraufhin. Doch dann trat sie wieder ein, die Funkstille. Und sie dauert an.

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Mittlerweile drängt die Zeit. "Philae" bleiben nur noch wenige Tage, um sein Schweigen zu brechen. Voraussichtlich werden die Bedingungen auf Komet Tschurjumow-Gerasimenko, auch Tschuri genannt, schon Ende Januar derart ungemütlich für "Philae" sein, dass seine Mission dann ein natürliches Ende findet. Tschuri entfernt sich mit jedem Tag weiter von der Sonne, in zwei Wochen beträgt der Abstand mehr als 300 Millionen Kilometer. Auf Tschuri wird es somit kälter und kälter. Doch wenn "Philaes" Betriebstemperatur unter minus 51 Grad Celsius sinkt – was Ende Januar der Fall sein dürfte – schaltet sich der Lander nicht mehr ein.

Wachrütteln mit dem Drallrad

Die Ingenieure und Wissenschaftler des DLR setzen deshalb im Moment alles daran, "Philae" noch einmal Signale zu entlocken. Was mit dem Landegerät derzeit los ist, ist nicht ganz klar. Das DLR-Team geht davon aus, dass einer seiner beiden Sender und einer seiner beiden Empfänger ausgefallen sind. Auch könnte es sein, dass das Landegerät umgekippt ist oder zu sehr von Staub bedeckt wurde. Schließlich ist Tschuri ein aktiver, ausgasender Komet. Als solcher ist er kein komfortabler und sicherer Standort für "Philae".

Am Sonntag schickte das DLR daher ein Kommando ins All, das das Drallrad im Innern des Landegerätes in Bewegung bringt. Als "Philae" im November 2014 auf Tschuri herabgesunken war, hatte ihn das Drallrad dabei stabilisiert. Nun soll es "Philae" einen Drehimpuls verleihen. "Im besten Fall", so Geurts, "rüttelt 'Philae' sich dadurch frei, Staub auf den Solarpaneelen fällt ab und er steht besser zur Sonne ausgerichtet." Doch es ist ebenso möglich, dass "Philae" das Kommando gar nicht erst empfängt. "Die Stille von 'Philae' bedeutet leider nichts Gutes", sagt "Philae"-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR. Das Kommando ans Drallrad war einer der letzten Versuche, eine Reaktion des Landers zu erhalten. "Es ist eine kleine Chance", so Operations Manager Cinzia Fantinati vom Kontrollraum-Team.

Ob "Philae" diese Chance nutzt, zeigt sich in den nächsten Tagen. "Möglichkeiten, dass 'Philae' sich meldet und wir ihn hören, gibt es jetzt erst einmal bis zum 15. Januar", heißt es vom DLR. Die Kommunikationseinheit wird aber auch nach Mitte Januar eingeschaltet bleiben und weiterhin auf ein Zeichen von "Philae" horchen. Eines hat sich seit seiner Landung auf Tschuri jedenfalls deutlich gezeigt: "Philae" ist immer für Überraschungen gut.

Quelle: n-tv.de

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