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Samstag, 15. August 2009

Verbissen bis in den Tod: Pilz macht Ameisen zu "Zombies"

Ein in tropischen Ameisen wachsender Pilz lässt die Insekten in fast genau 25 Zentimetern Höhe über dem Boden an Blättern sterben, damit seine Sporen beim Herabfallen möglichst viele neue Opfer finden.

RTXEM3N.jpgDas berichtet die Gruppe um David Hughes von der Harvard University im Journal "The American Naturalist". Sie beschreibt zudem, dass der Pilz fast vollständig die Kontrolle über das Tier (Camponotus leonardi) übernimmt und es zu seiner eigenen Ernährung innerlich auflöst. Die Schilderung dieses Lebenszyklus könnte als Anregung für einen Horrorfilm dienen.

Tod in 25 Zentimetern Höhe

Die Forscher hatten Ameisen in thailändischen Wäldern untersucht. Dort bekommen die Tiere Kontakt mit Sporen des Pilzes Ophiocordyceps unilateralis. Aus diesen winzigen Kapseln wächst ein neues Pilzgeflecht und dringt ins Innere der Ameisen vor, die dann nur noch kurze Zeit zu Leben haben. In der krabbeln sie aus ihren Baumnestern auf die Erde und von dort kleine Pflanzen und Gräser herauf, an deren Unterseite sie sich fest verbeißen – und in fast genau 25 Zentimetern Höhe sterben. Hughes und seine Kollegen protokollierten zudem, dass die Ameisen an Blättern verendeten, die auf der Nordwestseite der Pflanzen sprießen: Temperatur, Feuchtigkeit und Sonnenlicht scheinen an diesen Orten optimal zu sein. Denn: Wenn die Wissenschaftler Blätter mit toten Ameisen an andere Orte brachten, entwickelten sich die Pilze lange nicht mehr so gut wie zuvor.

Unter optimalen Bedingungen jedoch durchziehen die Pilze das Tier, lösen es innerlich auf und setzen den Inhalt in Zucker um, um zu wachsen. Das einzige, was sie dabei intakt lassen, sind die Muskeln, mit denen das Tier seine Mundwerkzeuge ins Blatt getrieben hat. Die dünne Chininhülle des Tieres hingegen wird von dem Pilz sogar noch verstärkt – so bleiben andere Pilze und Mikroorganismen draußen. So bleibt Ophiocordyceps unilateralis Raum für seine Vermehrung: Nach einigen Tagen wächst er aus dem Kopf des Tieres heraus und lässt neue Sporen zur Erde rieseln – der Zyklus kann von neuem beginnen.

In einer Erklärung der Universität zu den Resultaten spekuliert Hughes, dass die Ameisen ihre Nester wahrscheinlich deshalb hoch in den Bäumen konstruieren, weil sie den tödlichen Sporen entgehen wollen. Zudem scheinen es die Tiere zu vermeiden, ihre Routen unter potenziell gefährliche Pflanzen zu legen.

Quelle: n-tv.de

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