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Nobelpreisträger Hell bei n-tv: "Plötzlich tut sich da eine neue Welt auf"

Für einen exakten Blick in lebende Zellen erhalten der deutsche Forscher Stefan Hell sowie zwei US-Amerikaner den diesjährigen Chemie-Nobelpreis. Hell, der am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen arbeitet, erzählt im Gespräch mit n-tv, was es mit seiner Forschung auf sich hat, wofür sie nützlich ist und wie er sich mit der Auszeichnung fühlt.

n-tv: Herr Hell, waren Sie überrascht über die Entscheidung, dass Sie den Chemie-Nobelpreis bekommen?

Sichtlich gerührt: Es ist ein großer Tag für Stefan Hell und sein Team.
Sichtlich gerührt: Es ist ein großer Tag für Stefan Hell und sein Team.(Foto: dpa)

Stefan Hell: Ich wusste natürlich, dass diese Entdeckung, für die ich auch stehe, sehr wichtig ist, das war klar. Aber natürlich kann man nicht mit einem Nobelpreis rechnen. Deswegen war ich sehr überrascht, als der Anruf kam - etwa eine halbe Stunde vor der öffentlichen Bekanntgabe. Da war ich natürlich sehr erfreut. Das ist eine große Anerkennung für die Arbeit, die meine Mitarbeiter und ich gemacht haben.

Können Sie uns die Entdeckung, für die Sie den Nobelpreis bekommen haben, kurz erklären?

Es geht um die Lichtmikroskopie und darum, sie schärfer zu machen; schärfer als man es prinzipiell für möglich hielt. Lichtmikroskopie ist deswegen wichtig, weil sie die einzige Möglichkeit ist, in lebende Zellen hineinzuschauen, um zu sehen, was da passiert. Um also zu sehen, was diese Proteine machen, was da physiologisch auf kleinstem Raum abläuft. Aber die Lichtmikroskopie konnte keine Strukturen abbilden, die kleiner waren als die Hälfte einer Wellenlänge des Lichts, also 200 Nanometer. Man hat gedacht, das geht prinzipiell nicht, man kann nur Elektronenmikroskope nehmen, um in diese Skalen vorzudringen. Aber Elektronenmikroskope können in der Regel nur tote Zellen anschauen.

Was ist seit Ihrer Entdeckung anders?

Unser Durchbruch, der heute geehrt worden ist, zeigt, dass man auf viel, viel kleinerer Skala sehr scharf sehen kann. Das heißt, plötzlich tut sich da eine neue Welt auf: Man kann mit einer Klarheit in die Zelle hineinschauen, die bisher vollkommen unmöglich war. Unser Monokular ist sehr spezifisch, man kann sich einzelne Proteine anschauen, man kann schauen, was die machen, mit wem sie interagieren und so weiter.

Wie lässt sich Ihre Entdeckung einsetzen?

Sie hat natürlich eine Bedeutung für das grundlegende Verständnis, was in der Zelle vor sich geht und auch für das grundlegende Verständnis dessen, was es bedeutet, krank zu sein. Das heißt, eine Krankheit ist letztendlich immer irgendwie in der Zelle zu finden. Krankheit heißt, dass eine Zelle aus dem Ruder geraten ist. Jetzt wird man besser sehen können, was da passiert ist, wenn zum Beispiel eine Krankheit entstanden ist.

Testen Sie als Chemie-Nobelpreisträger jetzt auch die Wirkung eines Gläschens Alkohol?

Wir haben hier ein paar Gläser Champagner, meine Mitarbeiter sind hier, Kollegen sind hier. Es ist heute ein tolles Fest, das wir feiern. Das ist eine tolle Überraschung, ich habe heute Morgen nicht damit gerechnet. Unglaublich.

Quelle: n-tv.de

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