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Ein Kinderarm mit Neurodermitis.
Ein Kinderarm mit Neurodermitis.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auf der "Wiese im Labor": Pollen verschlechtern Neurodermitis

Schon lange wird darüber diskutiert, nun ist es wissenschaftlich bewiesen: Pollenflug beeinflusst Neurodermitis. Wie genau, untersuchen Forscher mit einem Raum voller Gräserpollen.

Neurodermitis kann Betroffene zur Weißglut bringen. Die Haut juckt und brennt. Juckt man, wird alles noch viel schlimmer. Die Erkrankung verläuft zumeist schubweise und ist nicht heilbar. Die Behandlungsmethoden sind bisher begrenzt, da es ein breites Spektrum an Ursachen gibt. Aus diesem Grund sind Forscher aus verschiedenen Fachrichtungen dabei, die Zusammenhänge für die Entstehung und Entwicklung von Neurodermitis genauer zu beleuchten.

Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM und der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben die Wirkungen von Pollen auf Neurodermitis untersucht. "Die Rolle der Allergene bei Neurodermitis ist in der wissenschaftlichen Welt umstrittener als man denkt", erklärt Professor Thomas Werfel, Leiter der Abteilung Immundermatologie und experimentelle Allergologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) den Forschungsansatz in einem Gespräch mit n-tv.de. "Es gibt Wissenschaftler, die fest an einen Zusammenhang zwischen Pollenallergie und Hautzustand bei Neurodermitis glauben und andere, die einen derartigen Zusammenhang für unwahrscheinlich halten."

Freiwillige im Pollen-Labor

Für ihre Untersuchung setzten die Forscher eine Gruppe freiwilliger Probanden mit Neurodermitis an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in den Pollenprovokationsraum des Frauenhofer ITEM. Dort wurden sie mit einer Pollenkonzentration, die der auf einer natürlichen Sommerwiese gleicht, in Kontakt gebracht. Eine zweite Gruppe freiwilliger Studienteilnehmer mit Neurodermitis wurde ebenfalls an zwei Tagen in einen Raum gesetzt, allerdings in saubere Luft ohne Pollen. "Insgesamt wurden 17 Probanden getestet", ergänzt Werfel.

Davor und danach wurde die Haut der Probanden - sowohl die, die direkt mit den Pollen in Kontakt kam, als auch die, die mit Kleidung abgedeckt war - über fünf Tage lang mit Hilfe eines Standardverfahrens begutachtet. Auch das Blut der Studienteilnehmer wurde untersucht. "Die Ergebnisse waren eindeutig. Die Haut der Probanden, die der Luft mit Pollen ausgesetzt waren, reagierte innerhalb von Stunden auf die Provokation mit einer Verschlechterung der Neurodermitis", betont Werfel. Auch im Blut dieser Studienteilnehmer stiegen die Marker an, die für allergische Entzündungen sprechen.

Für eine allgemeine Warnung an Patienten mit Neurodermitis, Pollen zu meiden, reichen die Ergebnisse dennoch nicht aus. "Es gibt aber Patienten, die sehr genau bemerken, wenn Pollen den Zustand ihrer Neurodermitis verschlechtern", erzählt der Mediziner aus der Praxis. Inwieweit die Ergebnisse als Grundlage für neue Therapieformen dienen können, ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar.

Quelle: n-tv.de

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