Sonntag, 02. August 2009
Hilfe für Übergewichtige?: Rezept für braunes Fett gefunden
Forscher haben einen Weg gefunden, aus menschlichen Hautzellen braunes Fettgewebe zu machen. Möglicherweise eröffnet sich damit eines Tages ein Weg, um Übergewichtigen zu helfen. Die Resultate der Gruppe um Bruce Spiegelman von der Harvard Medical School in Boston (US-Staat Massachusetts) sind im Journal "Nature" nachzulesen.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Säugetiere verfügen über verschiedene Fettzellen, die unterschiedlichen Ursprungs sind und im Körper jeweils andere Aufgaben wahrnehmen. Das sogenannte braune Fett verbrennt mit der Nahrung aufgenommenes, beziehungsweise gespeichertes Fett und ähnelt in vielerlei Hinsicht eher Muskelgewebe. Das weiße Fett speichert Energie und macht vor allem Übergewichtigen Probleme.
Zwei Proteine bilden den Schalter
Spiegelman und seine Kollegen hatten im vergangenen Jahr gezeigt, dass braune und weiße Fettzellen sich aus unterschiedlichen Vorläuferzellen entwickeln. Ihre Untersuchung ergab, dass die braunen Fettzellen während der Embryonalentwicklung aus Vorläuferzellen gebildet werden, die ebenso gut auch Muskelzellen werden können. In welche Richtung sich die Zellen entwickelt, bestimmt der Faktor PRDM16: Wird dieser Schalter gebildet, entstehen braune Fettzellen, fehlt er, entstehen Muskelzellen. Wie PRDM16 seine Aufgabe erledigt, zeigt die neue Studie. Demnach benötigt das Protein ein weiteres Protein namens C/EBP-beta. Wenn diese beiden Schalter zusammenfinden, werfen sie zuverlässig das Entwicklungsprogramm für das Fettgewebe an.
Es funktioniert – Energie verheizt
Wurden beide Proteine in Hautzell-Kulturen von Maus oder Mensch gleichzeitig aktiviert, entstanden voll funktionsfähige braune Fettzellen. Spiegelman transplantierte einige davon in lebende Mäuse – und tatsächlich, sie funktionierten. Das Gewebe nahm das energiereiche Zuckermolekül Glukose aus dem Blut auf, um es zu "verheizen". Diese Energie kann, so die Hoffnung, eines Tages aus den weißen Fettzellen abgezogen werden.
Eine mögliche Therapie wäre es, einem Patienten Hautzellen zu entnehmen, diese zu Stammzellen zu machen, darin das Entwicklungsprogramm fürs braune Fettgewebe zu starten und die Zellen dem Patienten dann wieder einzusetzen. Dort könnten sie die im Körper gespeicherte Energie in Wärme umsetzen – und Fettsüchtigen beim Abnehmen helfen. Bis es so weit sei, müssten aber noch viele Fragen geklärt werden, heißt es in "Nature". Unter anderem gelte es, die Versorgung des neuen Gewebes mit Nerven und Blut zu gewährleisten und den Energieumsatz möglichst hoch einzustellen.
dpa
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