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An zwei Stellen hat Rosetta Eis auf Tschuris Oberfläche gefunden.
An zwei Stellen hat Rosetta Eis auf Tschuris Oberfläche gefunden.(Foto: ESA/Rosetta/NavCam)

Philae bleibt stumm - für immer?: Rosetta findet Wassereis auf Tschuri

Während der Tod des Kometenlanders Philae fast schon sicher ist, vermelden Forscher eine Entdeckung, die dessen Muttersonde Rosetta gemacht hat: Auf dem Himmelskörper Tschuri gibt es Eis an der Oberfläche. Sogar mindestens zwei unterschiedliche Arten.

Wassereis auf Kometen - eine Überraschung ist das nicht. Schließlich bestehen die "Schmutzigen Schneebälle" hauptsächlich aus gefrorenem Wasser. Auf der Oberfläche jedoch ist die Substanz nur selten zu finden. Um so wichtiger ist die Entdeckung, die die Raumsonde Rosetta gemacht hat: Auf dem Kometen "67P/Churyumov-Gerasimenko" (kurz: Tschuri) gibt es an mindestens zwei Stellen Wassereis auf der Oberfläche. Die Arbeit der Berliner Planetenforscherin Gabriele Arnold und ihrem Team vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wurde in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht.

"Obwohl Wasserdampf das Hauptgas ist, das vom Kometen in seiner aktiven Phase in Sonnennähe abgegeben wird und die Koma bildet und auch das Innere des Kometen reich an Wassereis sein dürfte, ist seine Oberfläche an Eis verarmt", erläutert Arnold. Offenbar verdampfe Eis relativ schnell, sobald es an der Oberfläche dem All ausgesetzt ist. Zurück bleibt, was man auf zahlreichen Bildern sieht: eine wasserarme Kruste, dunkel, hauptsächlich aus Kohlenstoffverbindungen und Mineralien bestehend.

Mittels Untersuchungen im Infrarot-Spektrum jedoch können sich Forscher genauer anschauen, aus was die Oberfläche eines Objektes besteht. Bei der Raumsonde Rosetta übernimmt das Instrument "Virtis" (Visible and Infrared Thermal Imaging Spectrometer) diese Aufgabe - und liefert nun die überraschenden Ergebnisse. Das Eis auf Tschuri  tritt an kleinen Steilhängen auf und ist nach Einschätzung der Wissenschaftler durch Hangrutsche an die Oberfläche geraten.

Die Virtis-Daten sind so genau, dass sich damit sogar die Größe der einzelnen Eiskörnchen bestimmen lässt. "Da haben wir eine interessante Beobachtung gemacht: Das Eis hat dort zwei ganz unterschiedliche Körnungen", sagt Planetenforscherin Arnold. Während die eine Klasse nur einige Dutzend Mikrometer Durchmesser hat, ist die zweite Klasse von Eiskörnchen rund zwei Millimeter groß - rund hundertmal größer. "Das deutet auf verschiedene Entstehungsmechanismen und auf unterschiedliche zeitliche Abläufe der Entstehung hin", hält Arnold fest. Weitere Untersuchungen können den Forschern Aufschlüsse über die Entstehung von Kometen und deren Entwicklung geben.

"Philae" rührt sich nicht

Während das Forscherteam diese neuen Erkenntnisse veröffentlicht, geht die Hoffnung auf eine erneute Kontaktaufnahme mit "Philae", der Kometen-Landeeinheit, die sich auf Tschuri befindet, gegen null. Am vergangenen Wochenende hatte das DLR ein Kommando ins All geschickt, das dem Roboter einen Drehimpuls verleihen und ihn besser ausrichten sollte. Es war einer der letzten Versuche, "Philae" zu einer Reaktion zu bewegen, bevor sich der Komet zu weit von der Sonne entfernt und es zu kalt für die Instrumente von "Philae" wird.

Heute läuft die Frist aus, die das DLR gesetzt hat. Doch der Landeroboter schweigt. Die Kommunikationsinstrumente bleiben zwar aktiviert. Aber dass wir wirklich noch einmal von "Philae" hören werden, wird mit jeder Sekunde unwahrscheinlicher, die Tschuri weiter in die Tiefen des Alls rast.

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Quelle: n-tv.de

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