Wissen
Samstag, 05. Februar 2011

Verhalten wird an anderen ausgerichtet: Schimpansen bedenken Denken

Schimpansen können nicht nur selbst Rückschlüsse aus einer Situation ziehen - sie wissen auch, dass andere Schimpansen dies können.

Der eine weiß, dass der andere denkt: Schimpansen ziehen daraus Rückschlüsse für ihr eigenes Verhalten.
Der eine weiß, dass der andere denkt: Schimpansen ziehen daraus Rückschlüsse für ihr eigenes Verhalten.(Foto: picture alliance / dpa)

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben mit einem ausgeklügelten Fütterungsexperiment gezeigt, dass Schimpansen ihr eigenes Verhalten an jenem der anderen Tiere ausrichten.

Dass die Affen Rückschlüsse aus Beobachtungen oder anderen Wahrnehmungen ziehen können, ist unter anderem aus folgendem Experiment bekannt: Ein Schimpanse wird vor einem Tisch mit zwei undurchsichtigen Platten gesetzt. Eine hat in der Mitte eine Art Huckel, die andere liegt völlig flach. Der Schimpanse darf nun eine der beiden Platten anheben und darunter schauen, um ein Stück Futter zu finden. Das Ergebnis: Der Schimpanse entscheidet sich mit höherer Wahrscheinlichkeit für die Platte mit dem Huckel. Unter einer flachen Platte, so seine Überlegung, kann kein Futterhappen liegen.

Verhalten anderer wird bedacht

Martin Schmelz, Josep Call und Michael Tomasello wollten nun herausfinden, ob sich die Schimpansen darüber bewusst sind, dass auch andere Schimpansen solche Rückschlüsse ziehen. Sie wiederholten das Experiment dazu in leicht abgewandelter Form - diesmal mit zwei Schimpansen. Dazu versteckten sie das Futter wie gehabt unter einer Platte, so dass diese sich wölbte. Einen zweiten Happen versteckten sie dann in einer Kuhle im Tisch, so dass die andere Platte flach darüber gelegt werden konnte. Das Verstecken des Futters beobachtete allerdings nur eines der beiden Tiere - der eigentliche Versuchsaffe.

Dann ließen die Forscher die Affen nacheinander wählen. War der Versuchsaffe mit der Wahl zuerst dran, entschied er sich überdurchschnittlich häufig für das Brett mit dem Huckel. Schließlich war klar, dass darunter Futter lag. Dies änderte sich, wenn zunächst der andere Affen wählen durfte. Der Versuchsaffe konnte bei diesem Experiment nicht beobachten, wie sich sein Artgenosse entschied. Wurde der Tisch anschließend zu ihm geschoben, entschied er sich plötzlich deutlich seltener für die Platte mit dem Huckel, sondern wählte die flache.

Der Schimpanse hatte sich überlegt, dass sein Artgenosse sehr wahrscheinlich die Platte mit dem Huckel gewählt hat und dieser Futterhappen daher bereits verspeist ist, folgern die Forscher. Er reagierte also nicht nur auf Tatsachen, die er selbst beobachtet hatte, sondern zog für sich Rückschlüsse aus dem vermeintlichen Verhalten eines anderen Schimpansen. Man könnte annehmen, dass die Schimpansen ähnlich wie die Menschen nicht nur denken, sondern auch über das Denken denken.

Quelle: n-tv.de

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