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Kinderstube zahlreicher ArtenSeegras-Wiesen in Gefahr

06.07.2009, 13:34 Uhr

Die Fläche der Seegraswiesen nimmt weltweit stark ab. Seit dem Beginn der Aufzeichnungen darübersind fast ein Drittel der unter anderem als Kinderstube für Fische wichtigen Flächen verschwunden.

Seepferdchen-Seegras
Ein Seepferdchen tummelt sich in verschiedenen Arten von Seegras. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Fläche der Seegraswiesen nimmt weltweit stark ab. Seit dem Beginn der Aufzeichnungen darüber – um das Jahr 1880 herum – sind fast ein Drittel (29 Prozent) der unter anderem als Kinderstube für Fische wichtigen Flächen verschwunden. Das berichtet eine Gruppe um Michelle Waycott von der James Cook-University im australischen Townsville.

Ihre Untersuchung ist in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS") nachzulesen. Dafür hatten die Wissenschaftler 215 Studien zu dem Thema ausgewertet. Seit 1980 gehen demnach jedes Jahr rund 110 Quadratkilometer Seegraswiesen verloren – und die Verlustrate wird immer größer. Von den Wiesen profitieren auch wirbellose Tiere sowie viele Vögel, Schildkröten oder auch Seekühe.

Wertvolle Kinderstube

Seegraswiesen wachsen in geringer Tiefe. Dort stehen Pflanzen der Gattungen Zostera, Thalassia, und Posidonia dicht beieinander. Zwischen den Blättern wachsen viele Fisch- und andere Larven heran, im warmen Wasser und geschützt vor vielen Feinden. Dies trägt zum wirtschaftlichen Nutzen der Wiesen für den Menschen bei, den die Forscher allein für die Fischerei mit 3500 Dollar (rund 2500 Euro) je Hektar Seegraswiese angeben. Viele Bewohner der Küsten sind unmittelbar auf die Fänge aus diesen artenreichen Lebensräumen angewiesen. Zudem festigen die Wurzeln den Bodengrund.

Überdüngung und Klimawandel

Seegras-Ernte-Bali
Seegras-Ernte auf Bali. (Foto: picture-alliance/ dpa)

58 Prozent der beobachteten Flächen haben abgenommen, 17 Prozent blieben unverändert, 25 Prozent hatten zugelegt. Derzeit gibt es insgesamt rund 177 000 Quadratkilometer Seegraswiesen, schätzen Waycott und ihre Kollegen. Außer der direkten Zerstörung des Lebensraumes zählen Umweltgifte, die Überdüngung durch Abwässer vom Land oder der Klimawandel zu den Ursachen des Rückganges, heißt es in "PNAS". Auch in der Nord- und Ostsee gibt es Seegräser. "Seegras wird oft nur als lästiges Grünzeug an Stränden wahrgenommen", erklärte Professor Bornberg-Bauer von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. "Dabei hat es eine enorme ökologische Bedeutung, da es Brutplatz für viele Fische ist, Flutwellen abmildert und als Pionierpflanze noch unbesiedelte Küsten für andere Organismen bewohnbar macht.

Die ökonomische Bedeutung von allen Seegraswiesen wird oft sogar wichtiger als die der Regenwälder angesehen." Die Gruppe um Bornberg-Bauer gehört zu einem Konsortium, das die Genomsequenz des Großen Seegrases (Zostera marina) lesen möchte. Wärmetolerante Bestände aus südlichen Regionen könnten eine "genetische Rettung" für nördlichere Bestände sein, hoffen die Forscher. Eine weitere Warnung: Veränderte Umweltbedingungen könnten Krankheitserreger aktivieren, die dann unter Umständen komplette Seegrasbestände vernichten – und damit ganze Lebensgemeinschaften.

Quelle: dpa