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Eine Schildkrötenköpfige Seeschlange (Emydocephalus annulatus).
Eine Schildkrötenköpfige Seeschlange (Emydocephalus annulatus).(Foto: Claire Goiran)
Freitag, 11. August 2017

Dunkel durch Gift: Seeschlangen werden schwarz als Schutz

Seeschlangen sind in der Nähe von Industrieanlagen auffällig oft schwarz. Zudem häuten sich diese dunklen Schlangen häufiger. Eine Studie findet nun heraus, woran das liegt - und dass dieses Phänomen sogar helfen könnte, Umweltbelastungen anzuzeigen.

Schlangen können sich mit dunkler Haut vor Umweltgiften schützen. Wie französische und australische Forscher berichten, haben bestimmte Seeschlangen, die eigentlich schwarz-weiß gestreift oder gefleckt sind, in belasteten Gewässern meist eine einheitlich schwarze Färbung. Bei diesem sogenannten Melanismus sammeln sich an den dunklen Hautpartien Spurenelemente wie Blei oder Cobalt an. Wie das Team im Fachblatt "Current Biology" schreibt, häuten sich die dunkel gefärbten Reptilien besonders oft und entfernen so ihre Last. Offenbar sei Melanismus bei ihnen ein Schutzmechanismus gegen Umweltgifte.

Die dunkel gefärbten Reptilien häuten sich besonders oft.
Die dunkel gefärbten Reptilien häuten sich besonders oft.(Foto: Claire Goiran)

Melanismus, eine dunkle Pigmentierung der Haut, kommt im Tierreich häufig vor. Bei Schlangen wurde das Phänomen etwa in großer Höhe beobachtet, wo dunkle Tiere mehr Wärme aufnehmen können. Zudem gibt es das Phänomen des Industriemelanismus, das schon im 19. Jahrhundert in England beobachtet wurde. Dort half die dunkle Färbung Nachfaltern vermutlich, sich besser auf Ruß-verschmutzten Oberflächen zu tarnen.

Schwarz statt gestreift oder gefleckt

Auch im französischen Überseegebiet Neukaledonien war aufgefallen, dass Schildkrötenköpfige Seeschlangen (Emydocephalus annulatus), die gewöhnlich schwarzweiß gestreift oder gefleckt sind, in der Nähe von Städten oder Industrieanlagen meist schwarze Färbung haben. Das Team um Claire Goiran von der Universität von Neukaledonien prüfte nun, ob und wie Umweltfaktoren die Färbung beeinflussen.

Die Untersuchung zeigte, dass die abgelegten Häute in belasteten Regionen mehr Spurenelemente wie Cobalt, Mangan, Nickel, Blei und Zink enthielten als bei Tieren in sauberen Gewässern. Analysen ergaben, dass die Konzentrationen der Stoffe generell an dunklen Hautarealen höher waren als an hellen - selbst bei derselben Haut. Demnach binden die Stoffe das Farbpigment Melanin.

Schließlich bemerkten die Forscher, dass sich auffällig viele dunkle Schlangen häuteten - und sich damit der Last entledigten. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass sich auf der dunklen Haut mehr Algen ansiedeln. "Zusammen deuten diese Resultate darauf hin, dass Industriemelanismus die Fähigkeit einer Seeschlange steigert, Spurenelemente loszuwerden", schreibt das Team.

Möglicherweise könnte dieser Melanismus sogar Umweltbelastungen anzeigen: An zwei Stellen, an denen keine städtisch-industriellen Orte liegen, leben ebenfalls auffällig viele schwarze Seeschlangen: Am Saumarez Reef vor der ostaustralischen Küste hatten die australischen Streitkräfte einst Bomben getestet. Am Ashmore Reef nördlich von Australien seien die Seeschlangen-Bestände in den letzten Jahren eingebrochen, eventuell wegen Verschmutzung durch Fischerboote, schreibt das Team und rät: "An diesen Riffen sollten die Konzentrationen von Spurenelementen gemessen werden."

Quelle: n-tv.de

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