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Die vielarmigen Seesterne können sich selbst klonen.
Die vielarmigen Seesterne können sich selbst klonen.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 29. Juni 2015

Klonen statt Fortpflanzung: Seesterne leben länger ohne Sex

Wozu Sex, wenn man sich auch einfach klonen kann? Seesterne haben die Fähigkeit, sich asexuell zu vermehren. Mit dem Klonen der eigenen Gene verschaffen sie sich einen enormen Vorteil gegenüber Artgenossen, die Mutter und Vater haben.

Ein längeres Leben dank Sexverzicht: Das gilt zumindest für den vielarmigen Seestern Coscinasterias tenuispina. Wie Wissenschaftler aus Spanien und Schweden zeigten, haben Tiere, die sich durch Klonen vermehren, längere Endstücke an ihren Chromosomen als solche, die sich sexuell vermehren. Die Verkürzung dieser Teleomere ist eine Kennzeichnung von Alterungsprozessen, berichten die Forscher im Fachjournal "Heredity".

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Coscinasterias tenuispina kommt im Mittelmeer und im Atlantik vor und kann sich sowohl sexuell als auch asexuell durch Klonen (Parthenogenese) vermehren. Dabei teilen sich die Tiere in zwei oder mehr Teile, aus denen wieder vollständige Seesterne heranwachsen.

Helen Nilsson Sköld von der Universität Göteborg und ihre Mitarbeiter untersuchten nun die Länge der Telomere bei insgesamt 58 Exemplaren aus verschiedenen Populationen des Seesterns. Zudem analysierten sie, wie groß der Anteil geklonter Tiere in den jeweiligen Populationen ist.

Das Ergebnis: Bei den Mittelmeer-Populationen waren die Telomere deutlich länger als bei den Populationen aus dem Atlantik. Und bei diesen war auch der Anteil geklonter Seesterne besonders hoch. Die Mittelmeer-Exemplare alterten also langsamer. Bei zwölf weiteren Tieren untersuchten die Forscher zudem, ob sich die Telomer-Länge verändert, wenn der Seestern einen seiner Arme regeneriert. Tatsächlich hatten die Chromosomen in neugebildetem Gewebe längere Enden.

Plattwürmer machen es vor

Die Verjüngung der Telomere im Zusammenhang mit der Neubildung von Gewebe beim Klonen sei vermutlich eine Erklärung für die besonders gute Gesundheit geklonter Seesterne, berichten die Forscher. Das Prinzip, dass Klone das Altern über die Regulation der Telomer-Länge vermeiden, sei kürzlich bereits in Plattwürmern gezeigt worden.

"Die Stärke unserer Studie liegt darin, dass wir diese Ergebnisse bei einer vollständig anderen Tiergruppe bestätigt haben, und diese Daten von freilebenden Populationen kommen", sagt Nilsson Sköld in einer Mitteilung der Universität Göteborg. Das erste Klonschaf Dolly hatte dagegen verkürzte Telomere – einige Forscher führen seine früh aufgetretenen Alterskrankheiten wie Arthritis darauf zurück. Je nach Spenderzelle können jedoch auch geklonte Säugetiere normale oder sogar verlängerte Telomere haben.

Quelle: n-tv.de

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