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Der Rückgang des Eises ist besonders für Eisbären bedrohlich. Ihr Lebensraum schrumpft enorm.
Der Rückgang des Eises ist besonders für Eisbären bedrohlich. Ihr Lebensraum schrumpft enorm.(Foto: imago/imagebroker)

Extreme Temperaturen in Eisregion: Silvester beschert Nordpol null Grad

Am Nordpol ist es derzeit ungewöhnlich warm. Es werden beinahe 50 Grad über dem Normalwert gemessen. Ein Tiefdruckgebiet weht tropische Luft in die Arktis. Forscher gehen bereits von fatalen Langzeitfolgen aus.

Nach den ungewöhnlich warmen Temperaturen in der Nordpolregion rechnen Meteorologen damit, dass es dort in den kommenden Tagen wieder kälter wird. "Spätestens am Donnerstag ist der Höhepunkt erreicht", sagte Tobias Reinartz vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Eigentlich herrscht in dieser Zeit am Nordpol Winter mit minus 30 bis minus 40 Grad. Aktuell ergeben Messungen milde Werte um null Grad.

Die Temperaturen in der Polregion werden mit Hilfe von Bojen ermittelt, direkt am Nordpol gibt es keine Wetterstation. Die am nächsten gelegene Landstation steht auf Spitzbergen 1500 Kilometer vom Pol entfernt. Dort wurden am Mittwochabend plus sieben Grad gemessen. Auch am Donnerstag sei mit ähnlichen Werten zu rechnen, prognostizierte Reinartz.

Während tropisch warme Luft vom Atlantik bis zum Nordpol gelangt, strömt polare Luft mit Frost und Schnee bis in den Süden der USA. Beides sei Teil desselben Geschehens, hieß es beim DWD. Grund sei das Zusammentreffen von sehr tiefem Druck im Nordwesten und sehr hohem Druck im Nordosten.

"Ausdruck des chaotischen Systems Atmosphäre"

Über dem Atlantik hatte sich ein starkes Tiefdruckgebiet gebildet und war über Island gezogen. Durch die Drehbewegung des Tiefs gegen den Uhrzeigersinn wird laut DWD auf der Ostseite - über dem Atlantik und Nordwesteuropa - sehr rasch warme Luft weit nach Norden verfrachtet. Dieses Tief schwäche sich wieder ab, sagte Reinartz. Warum sich eine solche Wetterlage ausgebildet habe, sei wissenschaftlich nicht zu erklären, teilte der DWD mit. Es sei ein Ausdruck des chaotischen Systems Atmosphäre. Mit dem Klimawandel habe es nichts zu tun.

Nach Darstellung von Dorthe Dahl-Jensen, Professorin am Niels Bohr Institut an der Universität Kopenhagen, sind solche Lagen keine Seltenheit. Es komme sehr häufig vor, dass sich die Temperaturen in der hohen Arktis sehr stark änderten, sagte sie. Das hänge von den Wettersystemen und der Windrichtung ab. "Wenn es wärmer wird, ist es häufiger, dass so etwas vorkommt. Und wenn es häufiger wird, wirkt es sich auf die Entwicklung und die Dicke des Meereises im Winter aus."

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Quelle: n-tv.de

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