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Der Siegerentwurf schlägt eine Mars-Behausung aus Eis vor.
Der Siegerentwurf schlägt eine Mars-Behausung aus Eis vor.(Foto: SEArch/Clouds Architecture Office/NASA)

Häuser aus Eis und Sand : So könnten Menschen auf dem Mars wohnen

Von Kai Stoppel

Bald soll der Mensch zum Mars aufbrechen, doch das birgt Probleme: Wie etwa können Behausungen gebaut werden, ohne viel Baumaterial transportieren zu müssen? Die Nasa schreibt einen Wettbewerb aus. Der Siegerentwurf ist so genial wie simpel.

Der Mars ist eine lebensfeindliche Umgebung: Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, krankmachende kosmische Strahlung und totale Isolation von dem Heimatplaneten. Doch der Traum der Menschheit ist es nun mal - warum auch immer -, zu unserem roten Nachbarn im All aufzubrechen und einmal einen Fuß auf seine Oberfläche zu setzen. Und ihn natürlich gründlich auf mögliches Leben zu erforschen.

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Doch das ist ein gewaltiges Unterfangen, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa immer wieder feststellen muss. In welcher Art von Behausung etwa sollen die Raumfahrer untergebracht werden? Diese muss ihre Bewohner schließlich vor den eisigen Temperaturen und der gefährlichen Strahlung aus dem Weltraum schützen. Zudem limitiert die weite Entfernung von zig Millionen Kilometern zur Erde die Menge an Material, die mit einem Raumschiff zum Mars transportiert werden kann.

Die Nasa wollte sich diesmal nicht selbst den Kopf darüber zerbrechen - und schrieb daher einen Wettbewerb aus. Allerdings stellte sie einige Bedingungen: Die Behausung muss etwa aus vor Ort vorhandenen Materialien per 3D-Drucker herstellbar sein. Auch soll sie mindestens 90 Quadratmeter Wohnraum für die Raumfahrer bieten. Zahlreiche Architekten und Designer haben mitgemacht, darunter auch der weltweit bekannte Star-Architekt Sir Norman Foster - der allerdings bei der Preisvergabe leer ausging. Die Antworten der Kreativen fielen recht unterschiedlich aus.

Einbuddeln, recyclen oder weben?

Dieser Entwurf sieht vor, dass die Planeten-Basis aus verschiedenen Fasern gewoben wird.
Dieser Entwurf sieht vor, dass die Planeten-Basis aus verschiedenen Fasern gewoben wird.(Foto: Hybrid Composites/NASA)

Einbuddeln, schlagen viele der Entwürfe vor. Andere favorisieren die Igluzelt-Variante. Aber am Ende sind es die eher unkonventionellen Ideen, die für Begeisterung unter den Nasa-Juroren sorgten: So etwa der Entwurf von dem Team "Hybrid Composites", das vorschlägt, die Struktur der Mars-Wohnbauten zu weben. Ein 3D-Drucker soll aus dem vor Ort häufig basaltischem Gestein ganz unterschiedliche Fasern erzeugen - solche, die zur Stabilität der Struktur beitragen, andere, die Strom leiten und Daten übertragen sowie Glasfasern, die Licht transportieren. Dieser Entwurf wurde von der Nasa als eine der Top-Ideen geehrt.

Einen Recycling-Ansatz wählten die Drittplatzierten vom Team "LavaHive". Sie schlagen vor, die Marsbauten aus einer Mischung aus Lava-Material und Teilen des Mars-Raumschiffs zu konstruieren. Den Kern bildet dabei das Landemodul des Raumschiffs, in dem die Menschen wohnen sollen. Weitere Bereiche, etwa die Labore, sollen von Robotern aus dem auf dem Mars häufigen, staubig-sandigen Material Regolith sowie Epoxidharz konstruiert werden.

Pragmatismus und Flexibilität zeichnen den zweitplatzierten Entwurf aus. Das Team "GAMMA" entwarf die Idee von aufblasbaren Basismodulen, die von halb-autonomen Konstruktionsrobotern nach den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten auf dem Planeten mit einer Schicht schützenden Gesteins überzogen werden sollen. Dieses soll aus Regolith bestehen, welches mittels Mikrowellen geschmolzen und in die richtige Form gebracht wird.

Eis fürs Wohlbefinden der Raumfahrer

Ein Querschnitt des Siegerentwurfs "Ice House". Eine Doppel-Schale aus Eis soll Menschen und Mars voreinander Schützen.
Ein Querschnitt des Siegerentwurfs "Ice House". Eine Doppel-Schale aus Eis soll Menschen und Mars voreinander Schützen.(Foto: Screenshot/www.marsicehouse.com)

Am meisten begeisterte die Nasa-Juroren jedoch ein Entwurf, der im Gegensatz zu den meisten anderen nicht Metall, Stein und Geröll als Material für die Behausung wählt, sondern Eis. Das Team "SEArch/Clouds Architecture Office" beruft sich auf die Fülle von Wassereis, das in einigen Gegenden des Mars unter der Oberfläche vermutet wird. Der große Vorteil: Eis schützt den Menschen genau so gut vor der gefährlichen kosmischen Strahlung wie die Steinwände der anderen Entwürfe. Aber im Gegensatz zu Letzteren ist dank dem lichtdurchlässigen Eis eine helle und wohnliche Behausung möglich.

In einem Video zeigen die acht US-Designer von SEArch und Clouds AO, wie das eisige Habitat entstehen soll. Die Landefähre schmilzt das Fundament für das Gebäude in den - hoffentlich - eisigen Marsboden. Danach wird eine große, durchsichtige Kunststoffmembran aufgeblasen, innerhalb derer eine Doppel-Schale aus Eis "gedruckt" wird. Das Team hat nach eigenen Angaben bereits erfolgreiche Experimente mit dem 3D-Druck von Eis durchgeführt.

Ein großer Vorteil der Planetenbasis aus Eis, so die Entwickler des Ice House, sei die Beleuchtung der Behausung mit Tageslicht - was einen natürlichen Tag-und-Nacht-Rhythmus für die Raumfahrer ermögliche. Und der Blick aus dem Fenster auf die Marsoberfläche soll den Menschen auf dem Mars die Möglichkeit geben, zu sinnieren und nachzudenken - was ihrem Wohlbefinden und dem psychologischen Gleichgewicht bei dieser Reise ins Unbekannte förderlich sein soll.

Doch bis es soweit ist, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen: Die Nasa plant, frühestens in der 2030er-Jahren die ersten Menschen zu unserem roten Nachbarn im All zu schicken. Derweil wird die Entwicklung praktischer Behausungen allerdings weiter vorangetrieben: In einem nächsten Schritt sollen die Technologien für die Errichtung der Habitate entwickelt und schließlich auch die ersten Bauten in voller Größe testweise auf der Erde errichtet werden.

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Quelle: n-tv.de

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