Wissen

In vino veritas Spur der alten Eichen

30.05.2009, 15:48 Uhr

Im Wein liegt nicht nur Wahrheit, sondern auch eine Fülle von Informationen. So lässt sich – wie bei einem Fingerabdruck – ablesen, aus welcher Gegend das Holz stammt, aus denen die verwendeten Weinfässer gefertigt wurden.

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In Franken sind zu Pfingsten erste Rebblüte zu sehen. (Foto: dpa)

Im Wein ist Wahrheit – und außer dem Alkohol eine fast unüberschaubare Zahl chemischer Substanzen, die für Geschmack, Abgang, Farbe, Bouquet, aber auch schädliche und heilsame Nebenwirkungen verantwortlich sind. Daneben finden sich aber auch noch chemische Spuren der Holzfässer, in denen die guten Tropfen langsam reiften. Aus diesen kann wie bei einem Fingerabdruck die Signatur des Waldes herausgefiltert werden, in dem die Bohlen der Eichenfässer einst als Baum standen. Das berichten französische Forscher in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Régis Gougeon vom Institut für Wein und Weinbau der Universität der Bourgogne in Dijon (Frankreich) untersuchte mittels hochauflösender Massenspektroskopie vier französische Rotweinsorten. Diese waren jeweils in Fässern gereift, die aus Eichen von neun verschiedenen Wäldern zwischen Lothringen und Bordeaux stammten. Mit statistischen Methoden konnte Gougeon – unabhängig von den Weinsorten – die Proben den Ursprungswäldern der Fässer zuordnen.

Neue Erkenntnisse zur Geschichte des Weins

Die chemischen Unterschiede im Holz zeigen nicht nur den verschiedenen Wuchs der Bäume in unterschiedlichem Klima und Boden, sondern sogar die Zusammensetzung der Wälder. So konnten in bestimmten Proben, die aus einem naturnahen Wald aus dem Nordwesten stammten, die typischen Inhaltsstoffe der auf Bäumen wachsenden Flechten wiedererkannt werden.

Die fast kriminaltechnische Methode könnte, an alten Weinen angewandt, zu neuen Erkenntnissen über die Verbreitung und Geschichte des Weinbaus führen, hoffen die Forscher.