Donnerstag, 18. Februar 2010
"Schöne" Merkel-Rede: Staat bei Artenschutz säumig
Die Umweltverbände BUND und NABU werfen den Bundesländern massive Versäumnisse beim Artenschutz vor. Fast überall gebe es keine umfassende Umsetzung der 2007 von der Bundesregierung beschlossenen nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.
Zwar hat sich der Bestand der bedrohten Luchse stabilisiert, insgesamt bleibt die Situation bei Wirbeltierarten in Deutschland aber kritisch.
(Foto: picture alliance / dpa)
Bund und Länder tun entgegen großer politischer Ankündigungen nach Ansicht großer Umweltverbände zu wenig für den überlebenswichtigen Artenschutz von Tieren und Pflanzen. Die nationale Strategie zum Schutz der biologischen Vielfalt werde in den meisten Bundesländern nicht oder nur kaum umgesetzt, kritisierten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund (NABU) in Berlin. "Der Bau von Autobahnen oder Schifffahrtskanälen darf nicht länger auf Kosten der Natur gehen", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Der Bund müsse zur Umsetzung des Biodiversitätsprogramms zusätzlich 300 Millionen Euro aufbringen, verlangten beide Verbände.
Noch am besten schnitten in der Gesamtbewertung die Länder Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen ab. Keines der 13 Flächenländer erreichte jedoch auch nur die Hälfte der nach den Kriterien der Umweltverbände möglichen Bewertungspunkte.
"Grün" für kein einziges Bundesland
Es war eine schöne Rede: Bundesumweltminister Norbert Röttgen folgt beim Auftakt zum Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt im Berliner Museum für Naturkunde Bundeskanzlerin Angela Merkel.
(Foto: picture alliance / dpa)
Allein neun Bundesländer erhielten - trotz zum Teil existierender Landesstrategien - in einer Ampel-Wertung ein "Rot": Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Farbe "Grün" erreichte kein Bundesland. Bewertet wurde unter anderem, inwieweit Wildnis- und Naturschutzgebiete ausgewiesen und Managementpläne sowie Agrarumweltmaßnahmen umgesetzt werden.
"Für den Schutz der biologischen Vielfalt zählen vor allem Taten", erklärte Nabu-Chef Olaf Tschimpke. "Allein durch die Ausweisung von Schutzgebieten sind noch keine Art und kein Lebensraum gerettet." Naturschutz sei in vielen Ländern "nur das fünfte Rad am Wagen", ergänzte Weiger. "Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor kurzem mit einer schönen Rede das Internationale Jahr der Biodiversität 2010 eröffnet." Jetzt müsse auch der Bund das Artensterben stoppen.
Jede zweite heimische Vogelart gefährdet
Vom Aussterben bedroht seien weltweit jede achte Vogelart, jedes vierte Säugetier und jede vierte Nadelbaumart, so die Verbände. Allein in Deutschland gelten 72,5 Prozent der Lebensräume von Pflanzen und Tieren als gefährdet. Jede zweite heimische Vogelart, ein Drittel der Pilzarten und 30 Prozent der Farn- und Blütenpflanzen sind bedroht. Der Klimawandel verschärfe die Lage. Der Verlust der Artenvielfalt erhöhe die Folgekosten für Wirtschaft und Gesellschaft.
dpa/AFP
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