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Der neue Forschungsturm "Atto" wird weit über die Baumkronen des Regenwalds reichen. Er soll Klima-Daten sammeln.
Der neue Forschungsturm "Atto" wird weit über die Baumkronen des Regenwalds reichen. Er soll Klima-Daten sammeln.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 23. September 2014

Riesenturm am Amazonas: Stahlkoloss sammelt Klimadaten

Mitten im Amazonas-Regenwald wächst ein Stahlriese empor. Mit seinen 325 Metern Höhe wird der Atto-Turm die Baumkronen weit überragen - im Sinne der Wissenschaft, denn er soll Forschern Einblicke in die Wechselwirkung zwischen Wald und Weltklima geben.

Wenn Techniker und Forscher zur Baustelle des "Amazonian Tall Tower Observatory" (Atto) wollen, steht ihnen eine unbequeme Tagesreise bevor. Von Brasiliens Amazonas-Metropole Manaus geht es zunächst mit dem Auto etwa 100 Kilometer über die Bundesstraße 174 in Richtung Norden, dann östlich bis zum riesigen Balbina-Staudamm. Es folgen 30 Kilometer Piste entlang des Flusses Rio Uatumã, dann eine Bootsfahrt und zum Schluss noch mal 13 Kilometer Dschungelpiste. "Hier ist gar nichts, außer Wald", sagt der Geograf Florian Wittmann. Doch bald soll hier ein 325 Meter hoher Stahlturm im Dienste der Klimaforschung stehen.

Hier soll der Atto-Turm einmal stehen.
Hier soll der Atto-Turm einmal stehen.(Foto: dpa)

Wittmann arbeitet und forscht für das Mainzer Max-Planck-Institut (MPI) für Chemie in der Zwei-Millionen-Stadt Manaus und betreut das Atto-Projekt vor Ort. Der Grundstein für den neuen Turm wurde erst vor ein paar Wochen gelegt. "Endlich", freuen sich die Forscher, denn von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es lange Jahre. Nun soll es aber zügig gehen: Im November schon soll der Forschungsturm fertig sein.

"Höchstes wissenschaftliches Interesse"

Mit im Boot ist neben dem MPI auch das brasilianische Amazonas-Forschungsinstitut Inpa. "Der Standort im brasilianischen Amazonasgebiet ist von höchstem wissenschaftlichen Interesse, da der Amazonas-Regenwald immer noch der größte zusammenhängende Regenwald der Erde ist", sagt der Atto-Projektleiter auf deutscher Seite, Jürgen Kesselmeier.

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Für das Weltklima spielt das Gebiet eine essenzielle Rolle. Die grünen Regenwaldriesen nehmen das klimaschädliche Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) auf und wandeln es tagsüber mithilfe der Sonne durch Fotosynthese unter anderem in Sauerstoff um. Als gigantischer Speicher von Kohlenstoff ist der schon deutlich geschrumpfte Amazonas-Regenwald unverzichtbar. Das länderübergreifende Ökosystem schützt den Planeten außerdem mit seiner dichten Bewaldung vor direkter Sonneneinstrahlung und Erhitzung. Auch wird bis zur Hälfte des Regens durch direkte Verdunstung auf den Blättern wieder in den Wasserkreislauf eingespeist.

Sensoren, Sonden und Saugpumpen

Nun soll der Stahlturm Atto an der Schnittstelle zwischen Atmosphäre und dem Lebensraum Regenwald genauere Daten liefern. "Welchen Einfluss hat der Regenwald auf das Klimageschehen, und welchen Einfluss hat die Atmosphäre auf den Regenwald", formuliert Wittmann vereinfacht die Grundfragen, die Atto beantworten soll.

Der Gigant im Amazonas-Wald ist höher als der Eiffelturm und für seine Aufgaben mit Sensoren, Sonden und Saugpumpen ausgestattet. Auf verschiedenen Etagen soll der Turm Luft ansaugen und den Anteil an winzigen festen oder flüssigen Partikeln messen, die in den Luftströmen mitschwirren. Zudem sollen Transportprozesse von Luftmassen untersucht werden, die über mehrere Hundert Kilometer stattfinden. Besser verstehen wollen die Forscher auch, wo und warum sich Treibhausgase wie CO2, Methan, N2O (Distickstoffmonoxid) und andere reaktive Spurengase bilden und sammeln. "Durch die Höhe des Turms haben wir ein riesiges Einflussgebiet von tausenden Quadratkilometern, für das wir bald genauere Daten haben werden", erklärt Wittmann.

Kostenpunkt 8,4 Millionen Euro

Für das Projekt mussten schwierige logistische Hürden genommen werden. Die Stahlkomponenten für den Turm schaffte das Unternehmen "San Soluções Empresariais" auf dem Land- und Flussweg in das Schutzgebiet "Reserva do Uatumã". Insgesamt soll das Atto rund 8,4 Millionen Euro kosten. 50 Prozent kommen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, die andere Hälfte von der brasilianischen Seite. Der Standort wurde genau geprüft, um zu vermeiden, dass Emissionen der Millionen-Metropole Manaus die Ergebnisse der Messungen verzerren. Deshalb wurden auch die Dieselgeneratoren, die den Turm mit Energie versorgen, in mehreren Kilometern Entfernung aufgestellt.

In rund zwei Monaten soll der Amazonas-Turm, dessen Schwesterturm Zotto seit 2006 in den Weiten Sibiriens steht, fertig sein und Daten liefern. Die geplante Fertigstellung ist zeitlich gut platziert: Im Dezember findet in Perus Hauptstadt Lima die 12-tägige UN-Klima-Konferenz statt. Sie soll den Boden für den Klima-Gipfel 2015 in Paris bereiten. Dort sollen globale und verbindliche Klimaziele festgeklopft werden.

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Quelle: n-tv.de

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