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Beispiele von versuchsweise nachgebauten Speerspitzen, die mit Akazienharz und Sehnen an hölzernen Pflöcken befestigt wurden. Foto: Jayne Wilkins / Eurekalert
Beispiele von versuchsweise nachgebauten Speerspitzen, die mit Akazienharz und Sehnen an hölzernen Pflöcken befestigt wurden. Foto: Jayne Wilkins / Eurekalert

Aufwendige Herstellung: Stein-Speerspitzen schon vor 500.000 Jahren

Vorfahren des heutigen Menschen jagten offenbar schon vor einer halben Million Jahren Großwild mit aufwendig hergestellten Speeren und damit viel früher als gedacht. Funde aus Südafrika deuten darauf hin, dass sie schon damals geschärfte Steinspitzen an Holzschäften befestigten. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Science".

Die bislang ältesten Hinweise auf Speere mit Steinspitzen waren etwa 300.000 Jahre alt. Rund 400.000 Jahre alten Wurfspeere, die bei Schöningen in Niedersachsen gefunden worden waren, bestanden dagegen nur aus Holz.

Symmetrisch an beiden Seiten geschärft

Die Wissenschaftler um die Paläoanthropologin Jayne Wilkins von der University of Toronto untersuchten mehr als 200 Spitzen aus eisenhaltigem Gestein. Die drei bis zwölf Zentimeter langen Funde stammen aus einer etwa 500.000 Jahre alten Erdschicht nahe der Stadt Kathu in Südafrika. Mehrere Indizien deuten darauf hin, dass sie als Speerspitzen dienten: Im Gegensatz zu Werkzeugen zum Schneiden oder Ritzen wurden sie symmetrisch an beiden Seiten geschärft. Zudem wurde ein Teil davon offenbar an der Basis so bearbeitet, dass man sie besser an Holzstäben befestigen konnte.

Auch die Abnutzung der Steine deutet darauf hin, dass sie als Speerspitzen benutzt wurden. Dies prüften die Forscher unter anderem, indem sie Nachbildungen an Holzschäften befestigten und mehrmals mit einer Armbrust in Tierkadaver trieben. Die Schäden ähnelten den Spuren an den gefundenen Steinspitzen.

Erfindung von einem gemeinsamen Ahnen?

Daraus folgern die Wissenschaftler, dass Menschen schon vor einer halben Million Jahren mit solchen Speeren jagten. Weil sowohl der Homo sapiens als auch der Neandertaler Speere mit Steinspitzen nutzten, könnte die Erfindung von einem gemeinsamen Ahnen stammen, schreiben sie. Beide Hominiden entwickelten sich vor etwa 800.000 bis 400.000 Jahren aus einem Vorfahren - vermutlich dem Homo heidelbergensis.

Erst kürzlich hatten US-Forscher im Fachjournal "Nature" von winzigen Steinklingen berichtet, die ebenfalls in Südafrika entdeckt wurden. Diese sogenannten Mikrolithe, die rund 71.000 Jahre alt sind, wurden mit Hitze behandelt und wahrscheinlich zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen wie etwa Speeren verwendet.

Quelle: n-tv.de

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