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Der Kugelsternhaufen NGC6397 ist rund 7200 Lichtjahre von uns entfernt.
Der Kugelsternhaufen NGC6397 ist rund 7200 Lichtjahre von uns entfernt.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Gute Chancen auf Leben: Sternhaufen - eine Heimat für Außerirdische?

Kugelsternhaufen galten bislang als denkbar ungeeignete Orte, um bewohnbare Planeten zu beheimaten. US-Wissenschaftler geben dieser Ansicht nun Kontra: Die Chancen, dort hoch entwickelte Zivilisationen zu finden, seien gar nicht so gering.

Kugelsternhaufen sind faszinierende Objekte: Millionen Sterne in einem Gebiet, das rund 100 Lichtjahre Durchmesser hat - nach kosmischen Maßstäben sind das sehr viele auf kleinem Raum. Diese Haufen sind mit 10 Milliarden Jahren fast so alt wie unsere Milchstraße. Und, wie US-Forscher nun betonen: Sie könnten gute Bedingungen für die Entwicklung außerirdischer Zivilisationen bieten. In der Milchstraße existieren rund 150 Kugelsternhaufen, die meisten davon in den Randgebieten unserer Heimatgalaxie.

"Ein Kugelsternhaufen könnte der erste Ort sein, an dem wir intelligentes Leben innerhalb unserer Galaxie finden", sagt Rosanne Di Stefano vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. Sie widerspricht damit bislang gängigen Annahmen, dass Kugelsternhaufen denkbar ungeeignete Orte sind, um nach Planeten - und damit der Möglichkeit außerirdischen Lebens - zu suchen.

Geringe Entfernung - aber kleinere Sterne

Ein Argument gegen die Wahrscheinlichkeit, dass in diesen Gebilden Planeten im Laufe der Jahrmilliarden entstanden sind, ist die geringe Entfernung zwischen den Sternen. Die Sterndichte in einem Kugelsternhaufen ist enorm: Sie ist rund 20.000 Mal größer als die Sterndichte in der Nähe unserer Sonne. Die Wechselwirkungen der Schwerkräfte zwischen den Sternen, so die bisherige Annahme, wären deshalb ungünstig für die Entstehung von Planeten. Benachbarte Sterne könnten zu nahe aneinander vorbeiwandern, eventuelle Planetensysteme stören und Planeten aus ihren Bahnen werfen.

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Di Stefano und ihre Kollegen halten jedoch dagegen. Kugelsternhaufen bestehen nämlich vor allem aus "Roten Zwergen". Das sind Sterne, die lichtschwach und verhältnismäßig klein sind. Zum einen hält sich also die Schwerkraftwirkung auf umliegende Sterne in Grenzen. Zum anderen befindet sich die bewohnbare Zone, in der flüssiges Wasser existieren kann, viel näher am Stern als bei hellen, großen Sternen. Potenzielle habitable Planeten hätten also einen Orbit sehr nahe am Stern - in Sicherheit vor der Anziehungskraft anderer Sterne.

Aliens mit interstellarer Raumfahrt?

"Sobald solche Planeten entstehen, könnten sie an diesen Orten für eine sehr lange Zeit bestehen", sagt Di Stefano. Da Kugelsternhaufen bereits sehr alt sind, wären es folgerichtig auch die potenziell bewohnbaren Planeten. Mögliche Bewohnern hätten also ausreichend Zeit, sich technologisch weit zu entwickeln.

Sie könnten sogar bereits interstellare Raumfahrt entwickelt haben - denn die Bedingungen dafür sind viel günstiger als etwa bei der Erde. Durch die geringen Distanzen zwischen den Sternen würde es viel weniger Zeit in Anspruch nehmen, von einer Sonne zur nächsten zu fliegen. "Die Voyager-Sonde ist rund 100 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, das ist rund ein Zehntel der Entfernung zum nächsten Stern, würden wir in einem Kugelsternhaufen leben", sagt Di Stefano. Das bedeute, eine Zivilisation auf unserem technologischen Niveau könne dort bereits eine interstellare Sonde konstruieren.

Nicht nur die Reisen, sondern auch die Kommunikation zwischen den Sternen wäre deutlich einfacher. "Wir nennen das die Kugelsternhaufen-Chance", sagt Di Stefano. "Einen Funkspruch von einem Stern zum nächsten zu schicken, würde nicht länger dauern, als es im 18. Jahrhundert gedauert hat, einen Brief von den USA nach Europa zu schicken."

Es bleibt aber noch mindestens ein Problem aus irdischer Sicht: Planeten in Kugelsternhaufen sind schwer zu orten. Der erdnächste Haufen ist mehrere Tausend Lichtjahre entfernt. Besonders im Zentrum dieser Gebilde ist es schwierig, von der Erde aus die Abweichungen zu erkennen, mittels derer die Astronomen Exoplaneten lokalisieren. Wie viele Planeten es also tatsächlich in diesen Stern-Ansammlungen gibt, wissen wir also schlicht nicht.

Quelle: n-tv.de

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