Bei unsicherer VaterschaftStichlinge sind Kannibalen
Je mehr fremde Eier im Gelege sind, umso mehr verschwinden davon im Magen des brutpflegenden Männchens. So stellen Stichlinge sicher, dass sie ihre Energie nicht für fremde Gene verschwenden. Doch wie stellen sie ihre Vaterschaft fest?
Stichlinge können den Anteil eigener Eier in den von ihnen bewachten Gelegen scheinbar abschätzen. Sie fressen die Gelege umso eher komplett auf, je mehr fremde Eier sich darin befinden, berichtet ein Forscherteam in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Die Fische unterscheiden die Eier vermutlich anhand des Geruchs.
Kannibalismus kommt bei den auch in Deutschland weit verbreiteten Dreistachligen Stichlingen (Gasterosteus aculeatus) regelmäßig vor. Die Gründe für das Verhalten sind nicht ganz klar, möglicherweise fressen die Männchen Teile der Brut auf, um Energie zu gewinnen und den Rest des Nachwuchses über die Runden zu bringen oder die Überlebenschancen zukünftiger Nachkommen zu erhöhen.
Fremde Männchen befruchten Eigelege
Bekannt ist, dass Unsicherheiten über die eigene Vaterschaft kannibalistisches Verhalten begünstigen. Bei Stichlingen befruchten häufig fremde Männchen Teile eines Eigeleges. Durch das Auffressen solcher "Kuckuckseier" stellt das brutpflegende Männchen sicher, dass es keine Energie für die Weitergabe fremder Gene verschwendet. Ob und wie Stichlinge allerdings fremde Eier erkennen, ist bisher unklar.
Maion Mehlis von der Universität Bonn und ihre Mitarbeiter untersuchten diese Frage nun, indem sie die Gelege der Stichlinge gezielt manipulierten. Sie tauschten 0, 20, 40, 60, 80 oder 100 Prozent der Eier eines frischen Geleges gegen Eier aus einem anderen Gelege aus. Dann beobachteten sie das Verhalten der Männchen, die das Gelege bewachten. Von insgesamt 82 manipulierten Gelegen wurden 57 sofort vom Männchen komplett aufgefressen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem vollständigen Kannibalismus kam, stieg mit dem Anteil fremder Eier in dem Gelege. Männchen in guter körperlicher Verfassung fraßen seltener die ganze Brut.
Welche Signale tragen die Eier?
In den verbleibenden 25 Gelegen kam es zu einem partiellen Kannibalismus, das heißt, das brutpflegende Männchen fraß einen Teil der Eier auf. Dabei wurden umso mehr fremde Eier gefressen, je größer der Anteil eigener Eier in dem Gelege war. Ob die Fische allerdings einzelne Eier als fremd oder eigen erkennen können, ist bisher unsicher. Klar ist, dass die Eier selbst irgendwelche Signale tragen, anhand derer die brutpflegenden Männchen ihre Vaterschaft erkennen können.