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Provokationen unter WissenschaftlernStreit um Einwandererarten

12.07.2011, 10:35 Uhr
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Die Grauhörnchen wurden von Menschen von Amerika nach Europa gebracht. Nun verdrängen sie die roten Eichhörnchen. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Bei Einwanderertieren und -pflanzen handelt es sich um Arten, die sich durch den Menschen in neuen Lebensräumen ansiedeln. Die meisten dieser Arten werden stillschweigend geduldet. Wenn sie jedoch Probleme machen, dann stehen sie schnell in der Kritik. Auch Wissenschaftler streiten über den Umgang mit Neobiota.

Eine internationale Gruppe von 141 Biologen warnt davor, die Gefahren durch eingewanderte Arten zu unterschätzen. Ihr Brief im Journal "Nature" ist eine Erwiderung auf die Einschätzung des Teams um Mark Davis vom Macalester Center in St. Paul (US-Staat Minnesota). Der hatte zuvor in Nature empfohlen: "Hört auf, eingewanderte Arten pauschal zu verteufeln." Dabei warben Davis und seine 18 Co-Autoren dafür, Organismen nicht danach zu beurteilen, ob sie in einem Gebiet ursprünglich einheimisch sind oder nicht – sondern nach ihrer Bedeutung für das Ökosystem.

"Wir schlagen nicht vor, dass Artenschützer in ihren Mühen beim Kampf gegen große Probleme durch eingeschleppte Arten nachlassen sollten. Oder dass Regierungen aufhören sollten zu versuchen, sie vom Einwandern abzuhalten. Aber wir appellieren an die Verantwortlichen, ihre Prioritäten danach zu setzen, ob eine Art einen Schaden oder Nutzen für die Biodiversität, die Gesundheit des Menschen, die Ökonomie oder die Ökologie bringt", hieß es bei Davis.

Auch Einwandererarten müssen sich anpassen

In einer Mitteilung des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) ist mit Blick darauf von einer "provokanten" These die Rede. Marten Winter und Ingolf Kühn vom UFZ gehören zu den 141 Unterzeichnern der Erwiderung, die unter Federführung von Daniel Simberloff von der University of Tennessee in Knoxville (US-Staat Tennessee) entstand.

Naturschutzbiologen und Ökologen sein nicht per se gegen nicht-heimische Arten, sondern nur dann, wenn diese Ökosysteme, Lebensräume oder Arten bedrohten und damit gegen die Konvention zur biologischen Vielfalt verstoßen würden. Auch von Kampagnen gegen alle neu eingeführte Arten könne keine Rede sein. Die begrenzten Ressourcen würden die Naturschutzmanager sowieso zwingen, sich auf wenige besonders problematische Arten zu konzentrieren. Der Vorwurf der Erwiderung: Davis und Kollegen spielten die schweren Auswirkungen der problematischen, nicht-heimischen Arten herunter, die möglicherweise erst Jahrzehnte nach ihrer Einführung auftreten können.

Pfefferbaum in Florida verboten

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Früchte des Brasilianischen Pfefferbaumes. (Foto: wikipedia, B. Navez)

Als Beispiel für eine zeitversetzte Invasionen verweisen die Autoren auf den brasilianischen Pfefferbaum (Schinus terebinthifolius), der sich in den Everglades von Florida stark ausgebreitet hat. In dem US-Bundesstaat werde daher mit großem Aufwand versucht, diese Bereiche wieder davon zu befreien. Der Besitz oder die Pflanzung ist in Florida inzwischen strafbar. Arten, die nicht von selbst in Ökosysteme eingewandert, sondern vom Menschen eingebracht wurden, sollten daher sorgfältig beobachtet werden, schlussfolgern die Wissenschaftler in "Nature".

Zu den Unterzeichnern des offenen Briefes gehören viele Forscher, die im EU-Projekt DAISIE (Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe) in den vergangenen Jahren zum ersten Mal für die Länder Europas alle bekannten gebietsfremden Arten erfasst hatten. Über 11.000 nicht heimische Pflanzen und Tiere wurden dabei insgesamt in Europa erfasst.

Quelle: dpa

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung