Wissen

Gefährdet durch Raubtiere und BooteSydneys letzte Großstadtpinguine

27.09.2012, 09:53 Uhr
imageHier kommt der Autor hin
AP090715042967
Seltener Stadtbewohner: Pinguin an einem Gehweg in Manly. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Manly, einer der Stadtstrände Sydneys, ist eher bekannt als Surferparadies. Aber hier leben noch andere, ungewöhnliche Bewohner: eine Pinguinfamilie. Mit Betrunkenen werden sie leicht fertig, aber Füchse, Hunde, Müll und Schnellboote stellen eine große Gefahr dar.

RTR2B10X
Manly, einer der Stadtstrände Sydneys, ist eher bekannt für sein Surfer- und Strandleben. (Foto: REUTERS)

Der kleine graue Kerl saust im Kielwasser der Pendlerfähre aus Sydney dahin und geht schließlich am Strand von Manly an Land - bäuchlings, denn schließlich ist Stickybeak ein Pinguin. Der Zwergpinguin rappelt sich hoch, schüttelt das Wasser von sich, würdigt die staunenden Touristen eines kurzen Blicks - und watschelt dann heim ins wohl bekannteste Nest der australischen Millionenmetropole Sydney: mit Partnerin Mrs Silverwing und zwei Pinguinküken führt Stickybeak unter der Anlegestelle von Manly ein Großstadtdasein.

"Er hat da unten eine Villa", sagt Angelika Treichler, pensionierte Lehrerin aus Deutschland und Chef-Pinguinwächterin am Strand. Stickybeaks Heimweg ist mit Absperrungen geschützt, damit der Zwergpinguin ungehinderten Zugang ins Nest hat - und Neugierige auf Abstand bleiben. Das Pinguin-Männchen und seine Familie sind die letzten Zwergpinguine, die es noch inmitten des Getümmels von Pendlern und Touristen am Manly-Anlegesteg aushalten. Weitere rund 60 brütende Paare leben im nahen North-Head-Nationalpark, doch Stickybeak und die Seinen sind die einzigen echten Metropolenbewohner.

Pinguin im "Flamenco Club"

19563907
Einst hatten sich fünf Pinguin-Pärchen unter dem Manly-Steg angesiedelt. (Foto: picture alliance / dpa)

Allabendlich schließt Stickybeak sich der Pendlerfähre aus Sydney an. Am Strand angekommen, watschelt er auch schonmal über Betrunkene hinweg, wenn diese ihm im Weg liegen. Angelika Treichler kennt Stickybeak seit 2002, als die damals bereits kleine Zwergpinguin-Kolonie am Strand für gefährdet erklärt wurde und Freiwillige den Strand zum Schutz der Tiere zu bewachen begannen. Treichler erinnert sich an manche Abenteuer des pfiffigen Pinguin-Männchens: Einmal sei er geradewegs in ein Lokal namens "Flamenco Club" marschiert, berichtet sie: "Zum Glück kannte einer der Gäste ihn und wusste, wo er hingehört - er hat sein Jackett über ihn geworfen und Stickybeak rausgetragen."

Artenschützer in der Region haben im vergangenen Jahrzehnt viel Arbeit investiert, um den Pinguinbestand wieder zu erhöhen: Spürhunde sollten Füchse aus Parks vertreiben und Pinguinwächter die Anwohner über die Gefahren aufklären, die den drolligen Tieren durch Hunde und durch Müll drohen. Allerdings fiel der Erfolg nur mäßig aus. Tierschützerin Lisa O'Neill versieht jeden North-Head-Zwergpinguin mit einem Mikrochip, wenn das Tier alt genug zum Verlassen des Nestes ist. O'Neill zufolge schaffen im Schnitt aber nur zehn Prozent der Tiere es, in freier Wildbahn zu überleben - für zu viele Raubtiere sind sie ein gefundenes Fressen, andere sterben durch Unfälle etwa mit Schnellbooten.

Treue Tiere

Wiederholt versuchten Pinguinschützer, die Tiere in weiter entlegenen Gebieten anzusiedeln, doch die Vögel bleiben ihrem einmal gewählten Wohnort treu. Auch Stickybeak und Mrs Silverwing sollten in den Nationalpark umziehen. "Doch sie kamen geradewegs hierher zurück", berichtet Treichler. Das Pinguinpaar lernte sich einst in der Reha-Einheit des städtischen Zoos kennen und lieben, wo Mrs Silverwing den Tod ihres Partners betrauerte und Stickybeak sich von einem Bootsunfall erholte, durch den er auch sein Weibchen verloren hatte.

Nun sind die beiden Zwergpinguine das letzte von einst fünf Pärchen, die sich unter dem Manly-Steg angesiedelt hatten. Die beiden sind damit eine spektakuläre Ausnahme. Wie Melanie Tyas von der Nationalpark- und Wildtierbehörde sagt, sind Pinguin-Ansiedlungen auf dem Festland ohnehin selten, noch rarer jedoch sind sie in städtischen Gebieten: "Es ist ein wundervolles Privileg, die Vögel so nah an der Stadt zu haben - wir haben ziemliches Glück."

Quelle: ntv.de, Amy Coopes, AFP