Montag, 25. Januar 2010
Ökosystem aus der Balance: Tiere im Watt erfrieren
Der strenge Winter wirbelt das Ökosystem des Wattenmeeres durcheinander. Besonders die Reihen der Amerikanischen Pantoffelschnecke werden durch den strengen Frost gelichtet, sagte Prof. Karsten Reise vom Alfred-Wegener-Institut in List auf Sylt. "Das ist ein Sensibelchen gegenüber frostigen Temperaturen." Die in den 30er Jahren eingewanderte Art hat weite Flächen des Wattenmeeres besiedelt. Aussterben werden die kleinen Tierchen aber nicht, auch im Jahrhundertwinter 1962/63 hatten genug Exemplare für eine erneute Ausbreitung überlebt.
Besonders interessant sei die Reaktion der Pazifischen Auster auf den harten Winter. Die aus asiatischen Gewässern eingeführte Art brauche warme Wassertemperaturen im Sommer, um sich zu vermehren. "Wir hatten 14 Jahre milde Winter und warme Sommer", sagte Reise. Ein massenhaftes Sterben der Art, die inzwischen regelrechte Riffe bildet, sei nicht zu erwarten. "Das ist ein robustes Vieh." Der letzte ordentliche Winter 1995/96 hatte ungefähr ein Drittel der damals noch nicht so reichlich vorhandenen Pazifischen Austern getötet. Da aber eine Muschel bis zu 30 Millionen Eier ins Wasser abgeben kann, hat das die Invasion dieser Austern nicht gebremst. "Wie es mit den Fortpflanzungsbedingungen im kommenden Sommer aussieht, muss man abwarten." Wahrscheinlich trägt das Eis durch Verdriftung festgefrorener Austern sogar zu Ausbreitung der Art bei.
Eine Pazifische Auster aus dem Wattenmeer vor der ostfriesischen Insel Norderney.
(Foto: dpa)
Als Vorteil könnte sich die Kälteperiode für die heimische Miesmuschel erweisen, die von der Pazifischen Auster bedrängt, aber nicht völlig verdrängt wurde. "Der generelle Effekt von harten Wintern ist, dass es hinterher zu einer starken Vermehrung von Muscheln kommt, weil es weniger Fressfeinde gibt", erklärt Reise. Dazu zählen zum Beispiel Seesterne, die von Kälte und Eis dezimiert werden.
dpa
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